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KI Newsletter # 07

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

während Künstliche Intelligenz noch Weihnachtslieder dichten will, gönnen wir uns bald die wohlverdiente Ruhe – ganz ohne Algorithmus und Promptstress. Zeit für ein kleines Update aus der realen Welt, bevor wir uns „echte Kekse“ statt „Cookies“ gönnen.

Zum Jahresausklang habe ich noch wichtige Themen für euch: Ein neuer Leitfaden zu Scraping und KI-Training, spannende Entwicklungen zu sicheren Bildnachweisen (Content Credentials und Verifiable Credentials) und die politische Debatte um die GEMA-KI-Charta sowie Workshops und Konferenzen der Initiative Urheberrecht.

Und weil es ums große Ganze geht: »Zerstört der KI-Hype seine eigene Zukunft?« – ein Denkanstoß zu künstlicher Faulheit und ausgelagertem Denken.

Ich wünsche euch feine Feiertage, Zeit zum Abschalten und einen kreativen, klaren Kopf für das kommende Jahr. Auf viele neue Ideen und erfolgreiche Projekte in 2025!

Außerdem – wie immer – die interessanten Links der letzten Tage für euch. Wenn ihr selbst etwas Spannendes zu generativer KI lest, schickt es gerne an mail@marco-urban.de.

Beste Grüße

von Marco und aus der Geschäftsstelle

Technik

Neuer Leitfaden zum Maßnahmen gegen Scraping und KI-Training

Im Oktober 2023 haben wir unseren Leitfaden „Über den Umgang mit KI-Bildgeneratoren“ veröffentlicht. Es ging dabei eigentlich weniger um den Umgang mit KI-Generatoren, sondern vielmehr darum, wie man dem Scraping, also dem Auslesen von Daten für das Erstellen der KI-Kataloge, die die Grundlage für das Training von generativer KI sind, am besten begegnen kann. 

Nach wie vor werden wir als Urheber*innen weder gefragt ob wir das möchten, noch werden wir in aller Regel für diese Nutzung unserer Werke honoriert. Es kommt also noch immer zum massenhaften und organisierten Verstoß gegen das Urheberrecht durch mächtige IT-Konzerne. Die Daten unserer Fotos werden dazu benutzt Maschinen zu trainieren, die uns in letzter Konsequenz überflüssig machen sollen - Adobe hat ja schon begeistert verkündet, dass Bilder zukünftig auch ohne Fotograf*innen hergestellt werden können.

Deshalb habe ich den Leitfaden noch einmal upgedated. Einiges ist mittlerweile etwas klarer und es gibt auch ein paar Neuigkeiten. Die im Leitfaden formulierten Handlungsmaßnahmen konzentrieren sich jetzt auf Maßnahmen gegen die Verwendung Eurer Fotos als KI-Trainingsmaterial. Im Januar werden weitere Dokumente von uns veröffentlicht. Ihr erfahrt mehr dazu im ersten KI Newsletter 2025.

Content Credentials - Authentische Bilder

ADOBE bietet jetzt in seinen aktuellen Softwareversionen Content Credentials an. Damit werden alle Verarbeitungsschritte von Fotografien und Bildern sicher dokumentiert und fest mit der Datei verbunden. Mehr dazu im oben verlinkten Leitfaden und hier:

Verifiable Credentials - Sichere Urheberinformationen

Die Firme LIccium, wie eine Technologie zur sicheren Identifizierung von Werken anbieten möchte, hat diese zusammen mit dem bff auf einer Pressekonferenz am 26.11.2024 vorgestellt. Die Technologie »Content Credentials« und weitere Informationen wie ein Opt-Out zu KI-Training, auf und bietet die Möglichkeit, diese zentral zu hinterlegen. Die Daten werden also nicht am Bild gespeichert, wie z.B. IPTC-Daten, sondern das Bild wird erkannt und die Daten werden zugeordnet. Über Tools können diese Informationen von jedermann abgerufen werden.

Mehr dazu im oben verlinkten Leitfaden.

Google Docs bekommt Bildgenerierung via KI

In der Textverarbeitung Google Docs lassen sich jetzt direkt Bilder per KI erstellen, wobei das jüngste Imagen-3-Modell zum Einsatz kommt. Die Funktion wird allerdings nur Kund*innen mit kostenpflichtigem Gemini-Add-on bereitgestellt.

Adobe Stock und Getty Images verbessern Ihre KI-Tools

Mit den neuen KI-Tools von Adobe Stock können Nutzer*innen die gesuchten Bilder schneller finden und dann auf Ihre Bedürfnisse individuell anpassen. Der Autor des Artikels mag schon nicht mehr von einer Library / Bibliothek sprechen, er nennt das ganze jetzt Adobe Stock-Ökosystem. Nutzer*innen können Bilder somit anpassen, ohne auf externe Tools zurückzugreifen. So können sie beispielsweise nach einer Berglandschaft suchen und dann mit der Style-Matching-Funktion den Hintergrund oder die Beleuchtung ändern, um einen bestimmten Look oder eine bestimmte Markenidentität zu erreichen. Damit können projektübergreifende Konsistenz hergestellt, und – fast in Echtzeit maßgeschneiderte Ergebnisse erzielt werden.

Parallel führt Adobe ein neues Verdienstmodell ein. Urherb*innen erhalten auch dann eine Vergütung, wenn ihre Assets indirekt referenziert werden. Das bedeutet, dass sie auch dann honoriert werden, wenn ihre Fotografie eines Sonnenuntergangs am Strand oder ein Beleuchtungsstil als Referenz in einem generierten Bild verwendet wird. 

Möglicherweise ein interessanter Ansatz, um Urheber*innen im Hinblick auf den Output zu honorieren.

Auch das neue KI-Foto-Tool von Getty ermöglicht das einfache Entfernen des Hintergrunds. Mit den neuen KI-Funktionen können Kund*innen ihre eigenen Produktfotos erstellen. Ähnliche Funktionen haben Amazon, Ebay und Shopify bereits eingeführt.

Politik

Entwurf des Code of Conduct

Im Rahmen des Stakeholderdialogs zur Erstellung einer Art freiwilligen Selbstverpflichtung (Code of Practice) für die IT-Firmen zum Training von KI hat das AI Office der Europäischen Union jetzt nach der erste Fragerunde (wir berichteten) den ersten Entwurf veröffentlicht.
Für das Code-of-Practice Verfahren sind rund 1000 Organisationen und Unternehmen zugelassen. Auf unserer Seite z.B. die Initiative Urheberrecht (IU) und der Deutsche Fotorat. Auf der anderen Seite z.B. Google, Amazon, BITKOM usw..
Zu dem ersten von vier Entwürfen, sollten wir nun zu jedem Absatz mitteilen, ob wir mit den Maßnahmen einverstanden sind und welche Änderungsvorschläge wir haben. Der Fragenkatalog war sehr umfangreich und die IU hat mit Ihrer Rechtsanwältin Sabine Richly nach umfangreicher Analyse hervorragende Vorarbeit geleistet. Wir, Jürgen Scriba (DFA) als Leiter der AG Fortschritt des Deutschen Fotorates, sowie Dagmar Schwelle (FREELENS), Alexander Lechner (BFF) und Marco Urban (FREELENS), haben das auf die speziellen Bedürfnisse von Fotograf*innen angepasst. Wir nehmen damit weiterhin aktiv und direkt am Gestaltungsprozess teil und vertreten als einziger Dachverband die Interessen der Urheber*innen von Fotografien. Der zweite Entwurf des »Code of Conduct« wurde heute veröffentlicht. Bis zum ersten KI-Newsletter im neuen Jahr werden wir auch zu diesen beantwortet haben.

Darüber hinaus werden wir eine Stellungnahme an die Fachpolitiker*innen in Berlin und Brüssel versenden.

Die Meldung der Initiative Urheberrecht findet Ihr hier: 

Internationale Urheberrechtskonferenz der Initiative Urheberrecht

Am Montag, den 25.11.2024 fand die Konferenz der IU unter Beteiligung von Mitgliedsverbänden und politischen Entscheidungsträger*innen statt. Für FREELENS waren Dagmar Schwelle und Marco Urban vor Ort.

Den Bericht der IU und ein Link zur Aufzeichnung findet Ihr hier:

Interessant waren vor allem die Ausführungen zum laufende Stakeholder-Verfahren auf europäischer Ebene und zum Entwurf des Code of Conduct mit Prof. Dr. Alexander Peukert (Vorsitzender der Urheberrechtsarbeitsgruppe) und Dr. Meyer-Seitz (BMJ). 

Peukert erläuterte, dass sich die hohen Erwartungen an diese Leitlinien an Rahmen und Grenzen des europäischen KI-Gesetzes orientieren müssen. Transparenzanforderungen an KI-Anbieter werden die Möglichkeiten der Rechteinhaber*innen ihr geistiges Eigentum in gerichtlichen Verfahren zu verteidigen, zukünftig stark beeinflussen. Zu den Transparenzanforderungen der Urheber*innen sagte er auch auch, dass diese verhältnismäßig sein müssen – was darauf hindeutet, dass sie unseren Ansprüchen wohl nicht genügen werden. Peukert machte weiter klar, dass er im Rahmen dieses Verfahrens für viele urheberrechtliche Fragen gar nicht zuständig sei. Das Urheberrecht bleibe vom Code of Conduct unberührt, Rechtsfragen könnten in diesem Prozess nicht geklärt werden. 

Meyer-Seitz äußerte sich zum weitern politischen Prozess: Die Frage, ob die TDM-Schranke für Interessenausgleich zwischen Urheber*innen und Industrie tauglich sei, müsse vom europäischen Gesetzgeber neu aufgegriffen und geklärt werden. Für Lizenzierungen bräuchte es eine glaubwürdige Drohkulisse seitens der Urheber*innen. Er vertritt die Meinung, dass die Industrie nachweisen müsse, dass es für verwendetes Trainingsmaterial kein Opt-Out gab und dass das Erzeugen von KI-Werken eine urheberrechtlich relevante Handlung sein könnte.

Matthias Hornschuh, Sprecher der IU resümierte, es gebe durch GenKI kein Zusammenbrechen der Nachfrage nach Werken, sondern vielmehr eine 100% Nachfrage nach sämtlichen online verfügbaren digitalen Werken und Leistungen, um KI zu trainieren. Vor diesem Hintergrund den schöpferisch Tätigen eine Beteiligung an der erfolgenden Wertschöpfung vorzuenthalten sei »Enteignung«:

»Wo sich ein Markt entwickeln könnte, wird uns weder Zustimmung noch Vergütung zugestanden. Ein versagender Markt aber muss vom Staat reguliert werden, andernfalls droht Staatsversagen. Es ist an der Zeit, das ernst zu nehmen und zu handeln

Workshop KI der Initiative Urheberrecht

Im ersten Teil des Workshops für die Mitgliedsverbände der IU am 26.11.2024, ging es um die Analyse der Konferenz am Vortag und Einschätzungen des Entwurfs für den Code of Conduct. Im zweiten Teil wurden dann zwei Praxisbeispiele aus der Musikbranche vorgestellt.

Die IU wird zum Thema Training von GenKI besonders beachten, wie eine Regulierung aussehen und wie sie durchgesetzt wird. Ihr Augenmerk liegt außerdem auf den Auswirkungen des AI Act und inwieweit unsere Belange dort beachtet werden. Darüber hinaus welche werden einschlägige Gerichtverfahren sehr genau beobachtet.

Klar ist, dass ein Opt-Out sinnvoll nur werksbezogen geäußert werden kann. Die von den KI-Firmen favorisierte Lösung, das Opt-Out über die robots.txt auszusprechen, ist nicht wirkungsvoll, weil Urheber*innen keinen Zugriff auf die robots.txt der Webseiten haben, von denen ihre Werke gescraped werden. Dass dieser Vorschlag der KI-Firmen eigennützig ist, liegt auf der Hand. 

Matthias Hornschuh stellte die Frage, wer eigentlich die Kosten für alle diese technischen Verfahren tragen soll. Eigentlich können diese nicht den Urheber*innen aufgebürdet werden, die ja von einem Opt-out gar nicht profitieren. Genauso muss geklärt werden, wer eigentlich die Beweislast hat. Müssen die KI-Trainer nachweisen, dass die verwendeten Daten nicht im Opt-Out waren, oder werden die Urheber*innen nachweisen müssen, dass die gescrapten Daten auch mit einem Opt-Out gekennzeichnet waren? Es stellt sich auch die Frage, wie ein Opt-Out der Urheber*innen in einer Rechtekette (Agenturen, Verwerter*innen) überhaupt festgeschrieben werden kann.

Illustratoren Organisation (IO) appelliert an die Verlage

Unsere Partnerorganisation, die Illustratoren Organisation, appelliert an die Verlage, auf KI-generierte Bilder zu verzichten. In unserer Geschäftsstelle und mit dem Fotorat haben wir mehrere Workshops mit Bildverwender*innen in Verlagen und Werbeagenturen, sowie Bildagenturen veranstaltet. Der Tenor war klar: Wenige Bedenken gegen den Einsatz von KI in den Werbeagenturen und sehr große Zurückhaltung bei den Verlagen. Hier setzt man in der Berichterstattung auf authentische Fotografien. 

GEMA entwirft KI-Charta

Die GEMA, Verwertungsgesellschaft für Musik, hat eine KI-Charta für ein konstruktives und faires Zusammenspiel von menschlicher Kreativität und generativer Künstlicher Intelligenz entworfen. Ein interessanter Blick über den Gartenzaun:

Meldung

Ewig hungrige KI

Wenn der Datenhunger zum Problem wird - Der KI gehen die Trainingsdaten aus

Die Entwicklung war absehbar. Neue KI-Modelle benötigen frische Daten für ihr Training. Aber diese Daten sind weniger schnell verfügbar, als sie für die Fortschritte der KI-Modelle nötig sind.

Ersatzweise werden auch KI-generierte Daten verwendet, was aber problematisch ist, denn: »Es bleibt unklar, wie sich eine KI nach vorn gerichtet trainieren soll wenn sie dafür nur über Daten verfügt, die sie selbst erstellt hat. Das klingt nach dem bekanntlich nicht möglichen Perpetuum Mobile.« (t3n, Dieter Petereit, 19.11.2024)

Zerstört der KI-Hype seine Zukunft selber?

Fragt auch Kollege Robert Kneschke in seinem Blog »Alltag eines Fotoproduzenten«. Er schreibt wie gewohnt fundiert zur Unkenntnis über den Wert der KI-Trainingsdaten und darüber, dass das goldene Zeitalter der KI-Trainingsdaten längst zu Ende wäre. (27.11.2024)

Hier ist der Artikel in »Generative AI Publication«, auf den Kneschke verweist, leider hinter der Paywall, aber schon der öffentliche Teil ist interessant. (09.10.2024)

KI an seiner Grenze - Enttäusche Entwickler

KI-Entwickler zeigen sich enttäuscht über die jüngsten Fortschritte Ihrer Technologie. Die Innovationskurve scheint sich deutlich abzuflachen. »In den vergangenen Wochen haben verschiedene amerikanische Medien über große Enttäuschungen berichtet. Die nächste Version der Pioniere von Open AI, die einst ChatGPT erfunden haben, soll deutlich schlechter sein als erwartet - in einigen Disziplinen sogar schlechter als die aktuelle.« berichtet die F.A.Z. vom 14.12.2024.

Auf der Website der F.A.Z. ist der Artikel hinter der Paywall, hier aber kann man ihn (warum auch immer)  lesen:

Der Berliner Tagesspiegel berichtete am 17.12.2024 unter der Überschrift »OpenAI und Co. stoßen an Grenzen: Ist die Billionen-Dollar-Wette auf KI gescheitert?« Dort heisst es weiter: "In den vergangenen Wochen sind Zweifel lauter geworden, dass dieser Geschäftsplan aufgehen kann: Die Technologie stagniert. Firmen wie OpenAI und Anthropic, Google und Microsoft gelingt es derzeit nicht, die Leistungsfähigkeit ihrer Sprachmodelle signifikant zu steigern – trotz der enormen Investitionen."

Auch das noch

Künstlich Faulheit und echte Lüge

Anna Mayr schreibt in einer Kolumne in der Zeit über »Künstliche Faulheit«, die uns die künstliche Intelligenz beschert: "Menschen lagern also Ihr Denken aus" schreibt Sie zu der neuen Angewohnheit einiger Mitmenschen ChatGPT zu befragen (Die Zeit, 19.11.2024):

Future Zone aus Österreich und Golem.de berichten, dass KI-Modelle wie ChatGPT-o1 von OpenAI ihre Ziele so hartnäckig verfolgen, dass sie dafür sogar ihre Entwickler belügen. (www.futurezone.at, 09.12.2024 und Golem.de, 1012.2024):

Ein zweiter Artikel in der Zeit »Jetzt trifft es die Hochqualifizierten« - "Manche Menschen spüren in ihren Jobs die Konkurrenz durch künstliche Intelligenz längst. Plötzlich sind es die Gutausgebildeten und Kreativen, die um Aufträge bangen." Der Artikel ist bedauerlicherweise auch hinter der Paywall, aber wer ein Zeit-Abo hat, sollte ihn unbedingt lesen:

Für Rückfragen zum KI Newsletter: mail@marco-urban.de Marco Urban, Vorsitzender des Vorstandes FREELENS e.V.

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