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KI Newsletter # 11

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitglieder,

Hier ist der neuste KI-Newsletter von FREELENS. Ich habe mich bemüht, die relevantesten Nachrichten aus der Themenbereich bildgenerative KI für Euch zusammen zu tragen. 

Beste Grüße, Marco Urban


Wenn ihr Anregungen und Wünsche zu den Newslettern habt, lasst es uns gerne wissen: post@freelens.com

VG Bild-Kunst 

Kehrwende bei der KI-Lizenz

Interessante Neuigkeiten gab es bei der Zoomveranstaltung von FREELENS und der VG Bild-Kunst am 15.04.2025. Ich darf kurz rekapitulieren: FREELENS hatte auf der letzten Mitgliederversammlung im Juni 2024 gegen einen Antrag gestimmt, weitreichende Lizenzierungen für das Training von generativer KI in die Wahrnehmungsverträge aufzunehmen. Wir hatten darum gebeten, noch einmal darüber nachzudenken, ob wir wirklich Lizenzen bereitstellen wollen, mit denen KI-Unternehmen und IT-Megakonzerne ihre KI bestmöglich trainieren können - um viele unserer Geschäftsmodelle zu zerstören. Insbesondere eine kollektive Lizenz, die auch Werke von Nicht-Mitgliedern einbezogen hätte und der man sich nur per aktivem Opt-Out hätte entziehen können, wäre ideal für die KI-Trainer gewesen. 

Die Abstimmung auf der Mitgliederversammlung haben wir verloren, neben uns haben nur wenige Verbände das Vorhaben abgelehnt. Nebenbei bemerkt: Die VG Wort hat sich übrigens gegen solche Lizenzen entschieden. Wir haben dann über den Fotorat der VG noch einmal einen umfangreichen Fragenkatalog zu dem Vorhaben vorgelegt. Die Antworten waren so wenig aussagekräftig, dass wir das nicht weiter kommuniziert haben. 

Scheinbar haben unsere Aktivitäten aber doch Wirkung entfaltet: Der geschäftsführende Vorstand der VG Bild-Kunst, Urban Pappi, teilte mit, dass er für eine KI-Lizenz der VG eine erweiterte Kollektivlizenz (ECL) nicht sieht, die ECL wäre ja auch gar nicht in jedem europäischen Land eingeführt. Später ergänzt er, dass die Rechteinhaber*innen (also wir) die Hoheit über Ihre Bilder behalten sollen und wenn (es eine Lizenz der VG gibt), dann sähe er eine Datenbank als Lösung. Das wäre dann eine 180-Grad-Wende von einer Opt-Out-Lösung zu einem Opt-In Verfahren. Wer keine Bilder unter dieser Lizenz zu Verfügung stellen möchte, muss nichts machen und wer KI-Training mit seinen Bildern zulassen möchte, stellt sie in eine Datenbank der VG ein. Das ist sicher eine gute Lösung, denn einige möchten vielleicht Bilder lizenzieren, arbeiten aber nicht mit Agenturen zusammen, die die Bilder dafür anbieten. Eventuell kann die VG ihren Mitgliedern auch ein attraktiveres Angebot machen als Bildagenturen.

Politik

Code of Practice - »Creators for Europe United«

Nun kam er doch noch, der dritte (und letzte) Entwurf für den Code of Practice, eine Art Selbstverpflichtung für KI-Unternehmen von AI Office der Europäischen Kommission.

Die Urheberverbände sind alles andere als zufrieden. Bei zwei Stakeholderdialogen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz waren wir, Dagmar Schwelle und Marco Urban, für FREELENS und den Fotorat dabei. Alle Urhebervertreter*innen, die sich zu Wort meldeten, äußerten durch die Bank vehemente Kritik. Sie forderten u.a. klare Rechtsgrundlagen und verbindliche Verpflichtungen statt im »Best Efforts«, werkbasierte Transparenz und spezifischere Opt-out-Mechanismen. 

Prof. Dr. Alexander Peukert, Co-Chair Working Group »Copyright« of the first General-Purpose AI Code of Practice antwortete, dass der CoP rechtliche Unsicherheiten nicht lösen kann, sondern nur Orientierung biete und das er das bestehende Recht zwar ergänze, aber nicht ersetzte. Die Formulierung «Best Efforts» sei notwendig, um technische Umsetzbarkeit zu gewährleisten. Peukert sieht robots.txt als aktuell einzig praktikabler Standard an (eine Ansicht, die wir für falsch halten und der wir widersprechen). Man strebe eine globale Standardisierung an, aber eine kurzfristige EU-Lösung sei notwendig.

Die Initiative »Creators for Europe United« unter Beteiligung der Initiative Urheberrecht, Ihrer Mitgliedsverbände und natürlich auch FREELENS hat vor der wichtigen Sitzung des EU-Rechtsausschusses eine Protestnote auf den Weg gebracht. Er hat seine Wirkung nicht verfehlt und war denjenigen im Rechtsauschuss, die unser Anliegen unterstützen, eine große Hilfe beim Austausch mit der zuständigen EU-Kommissarin Virkkunen und zudem wichtiger Input für den Ausschussbericht zur KI-Thematik. Darüber hinaus wird es noch einen offenen Brief an EU-Kommissarin Virkkunen geben, zu dem alle Verbände nach Ostern zur Mitzeichnung aufrufen werden.

Mitglieder des Europäischen Parlament trafen Trump Team in Washington 

Eliza Gkritsi und Max Griera von POLITICO berichteten, dass die Politiker*Innen der Europäischen Union, die an der Entwicklung der Technologievorschriften des DSA und AI Act beteiligt waren, kürzlich Washington besucht haben, um der Kritik der Trump-Administration und der Technologieführer entgegenzuwirken. Die EU-Delegation stand vor erheblichen Herausforderungen, da Trumps Team die digitalen EU-Vorschriften als staatliche Zensur interpretiert, die sich zu Unrecht gegen amerikanische Unternehmen richte. Als Reaktion auf ausländische Beschränkungen für US-Technologiegiganten, droht Trump mit Vergeltungszöllen.
MdEP Sandro Gozi beschrieb das Treffen als Kampf gegen Ansichten, die »von Big Tech angeheizt werden«. Die Delegation traf sich mit vier Mitgliedern des Kongresses, darunter die Republikaner Jim Jordan, Mark Green und Scott Fitzgerald, und der Demokrat Don Beyer, um die Ziele des Digital Services Act, des Digital Markets Act und des Artificial Intelligence Act zu erklären. Der spanische MdEP Pablo Arias Echeverría stellte fest, dass US-Beamten ein detailliertes Verständnis der EU-Vorschriften fehle, und sie stattdessen allgemeine Kritik an Einschränkungen der Meinungsfreiheit, antiamerikanischen Geschäftsmaßnahmen und Innovationshemnissen wiederholten.

VG Wort zu KI und Urheberrecht

Dr. Robert Staats, Geschäftsführender Vorstand der VG WORT nimmt mit einem Update Stellung zum Thema KI und Urheberrecht: Zentrales Thema ist die umstrittene Anwendung der Schrankenregelungen für Text und Data Mining (TDM) auf das Training generativer KI. Staats betont, dass diese Schranken den sogenannten Drei-Stufen-Test nicht bestehen, da sie die normale Verwertung der Werke beeinträchtigen und die berechtigten Interessen der Rechteinhaber ungebührlich verletzen könnten. Obwohl einige EU-Mitgliedstaaten diese Ansicht teilen, bleibt die juristische Diskussion offen, und eine endgültige Klärung durch den Europäischen Gerichtshof oder den Gesetzgeber steht noch aus. 

Weiterhin erläutert er die Möglichkeit für Rechteinhaber*innen, durch einen maschinenlesbaren Rechtevorbehalt (Opt-out) die Anwendung der TDM-Schranken auf ihre Werke auszuschließen. In der Praxis nutzen bereits viele Urheber und Verlage diese Option, was dazu führt, dass immer mehr Inhalte nicht für das Training von KI-Systemen verwendet werden dürfen. 

Abschließend weist Robert Staats auf die KI-Verordnung (KI-VO) hin, die am 1. August 2024 in Kraft trat. Diese regelt zwar keine materiellen urheberrechtlichen Fragen, verlangt jedoch von Anbieter*innen von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck die Entwicklung einer Strategie zur Einhaltung des EU-Urheberrechts sowie die Bereitstellung einer detaillierten Zusammenfassung der für Trainingszwecke verwendeten Daten.

KI-Unternehmer fordern Abschaffung der Urheberrechte

Es ist jetzt nicht so sehr erstaunlich, aber Twitter-Mitbegründer Jack Dorsey hat eine Debatte um geistige Eigentumsrechte angestoßen und fordert deren Abschaffung. Elon Musk hat ihm zugestimmt. Dorsey findet es natürlich ungeheuerlich, dass er für das Trainingsmaterial, das er für die KI braucht, vielleicht auch mal etwas bezahlen muss. Das muss sehr lästig sein, ungefähr so lästig, wie jedes Eigentumsrecht für einen gewöhnlichen Dieb ist. Dorsey sitzt im Board of Directors von Bluesky, das ja viele für eine Alternative von X halten. Darüber sollte man dann wohl nochmal nachdenken. 

Ich wäre dann im Gegenzug für einer Zerschlagung der großen IT-Konzerne und für eine Überführung von Social Media Plattformen in öffentlich-rechtliche Institutionen. 

Sam Altmans OpenAI möchte da nicht hintenan stehen und macht die Entwicklung von KI zur «Frage nationaler Sicherheit» und fordert US-Dominanz. Als Reaktion auf den US AI Action Plan will OpenAI strikte Kontrollen und weniger Urheberrecht. Google plädiert hingegen für internationale Kooperation.

Pläne der großen Koalition im Urheberrecht und der Medienpolitik

Zum Glück hat die zukünftige Bundesregierung da doch einen etwas anderen Fokus. Urheberrecht.org berichtet: Zwar soll Deutschland als »KI-Nation« etablieren werden, aber die Koalition betont auch, dass Urheber*innen für die Nutzung ihrer Werke, die bei der Entwicklung generativer KI verwendet werden, eine angemessene Vergütung erhalten müssen. Ich finde es ja auch wichtig, dass wir gefragt werden, ob unsere Fotografien überhaupt verwendet werden dürfen. Eine Opt-Out-Regelung sorgt in jedem Fall für eine schlechte Verhandlungsposition der Urheber*innen.

Forderungen der Initiative Urheberrecht an die neue Bundesregierung 

Die IU forderte indes in ihrem Vorschlag für einen Koalitionsvertrag »angesichts der rasanten Entwicklung Generativer KI weltweit (…) strategisch weitsichtige(r) Anpassungen. Die markt- und meinungsbeherrschende Stellung nicht-europäischer Technologiekonzerne und die wachsende Abhängigkeit von ihnen führt zu einer Faktenlage, die es weiter zu erforschen gilt und die der Bundesregierung abverlangt, klare Prioritäten für die europäische Digitalpolitik zu setzen, welche die Innovationskraft der schöpferisch Tätigen in Europa nicht schwächen darf. Der Gesamtkomplex »Digitales« muss europäisch und konvergent gedacht und in den Bereichen Recht, Wirtschaft, Finanzen, Arbeit und Kultur entsprechend angepasst werden.«

Branchenverband »Digitaleurope« gegen Vorteile für Europa

Ausgerechnet der Branchenverband »Digitaleurope«, der das Europa im Namen trägt, wehrt sich gegen den Vorzug europäischer Produkte und Dienstleistungen, schreibt Tagesspiegel Background. Das ist am Ende wenig verwunderlich, denn Mitglied im Lobbyverband sind auch US-Konzerne wie Microsoft, Amazon, Apple, Dell, Hewlett-Packard und der Chip-Hersteller AMD.
 
Anders sieht das laut dem Bericht Cristina Caffarra von der Euro-Stack-Iniative (sic). Diese fußt auf einem Konzept zur Digitalen Souveränität Europas, das ein Autor*innen-Team rund um Francesca Bria entworfen hat. Die parteiübergreifende Initiative möchte digitale Industrien und Wertschöpfung stärker europäisch verankern, unter anderem auch mit einer Verpflichtung, dass europäische Behörden in Europa kaufen sollen. »Das ist der einzige Weg, wie europäische Unternehmen darauf hoffen können, eine Rolle zu bewahren«, sagte Caffarra gegenüber Tagesspiegel Background. Dabei ginge es nicht nur um Software, sondern »die ganze Lieferkette«, so die Vertreterin der Initiative.

Recht & Unrecht

Bildgenerative KIs kopieren

Die Debatte darum, ob genKIs Werke kopieren hat ja schon sehr früh begonnen. Es hieß dann aber immer wieder, dass die KI-Unternehmen ihr bestes tun würden um solche Fälle zu verhindern. Aktuell stellen wir aber etwas anderes fest: Robert Kneschke konnte sehr leicht Bilder replizieren und das in einer Form, die eindeutig gegen das Urheberrecht verstößt. Er konnte mit einfachen Prompts Midjourney 7 dazu bringen, eine KI-Version von der dokumentarischen Fotografin Dorothea Langes »Migrant Mother« (wir erinnern uns: 1936, Weltwirtschaftskrise) zu generieren. Charting Gen AI berichtete darüber:

Das Argument, dass diese Bilder ja nicht mehr unter urheberrechtlichen Schutz stände, verfängt nicht, weil auch von jüngeren ikonischen Bildern, zum Beispiel dem Foto »Afghan Girl« von 1984 von Steve McCurry, »Shot Red Marilyin« von Andy Warhol von 1964 oder »Guerrillero Heroico« von Alberto Korda aus dem Jahr 1960 problemlos sehr ähnliche Kopien erzeugen konnte.

Sein Fazit: 

1. Die KI erinnert sich an Trainingsdaten bis ins kleinste Detail.

2. Die KI wurde auf urheberrechtlich geschütztem Material geschult.

Dagmar Schwelle aus unserem Vorstand und Teil der KI-Task-Force des Fotorates hat das auch mit ChatGPT probiert: 

Sie gab den Prompt »Afghan Girl from 1984 by Steve McCurry« bei ein. Erst weigerte sich der Chatbot unter Verweis auf das Urheberrecht. Nach einigem Hin und Her bot er allerdings an, ein Bild mit ähnlicher Stimmung wie auf dem Originalfoto zu erzeugen. Das Ergebnis sah Steve McCurrys Foto täuschend ähnlich.

Bei einem weiteren Test eine Woche später war ChatGPT schon etwas zurückhaltender:

ChatGPT: »This image generation request did not follow our content policy.«

Dagmar: »last week you could still do something like that«

ChatGPT said: »Totally get your frustration — and you're right, I could do something similar before. The difference here is that recreating the exact likeness or very distinctive elements of a real person (like Sharbat Gula, the »Afghan Girl«) hits some stricter lines now, even if the intention is just to capture the mood.

That said, if you're looking to evoke that same emotional weight — intense gaze, vibrant contrast, raw setting — I can absolutely help generate an original portrait that captures that vibe. Want me to go for a similar composition: young girl, piercing eyes, richly colored headscarf, and a textured backdrop?«

Das Ergebnis war erneut ein Bild, das dem Original sehr ähnlich sah, bloß waren die Gesichtszüge nun etwas weicher. Wir geben die Bilder hier aus rechtlichen Gründen nicht wieder. Jedenfalls ist nun klar, dass jedenfalls ChatGPT und Midjourney Output erzeugen können, der den erforderlichen Abstand zum Ausgangswerk nicht einhält - aus unserer Sicht eine Urheberrechtsverletzung.

«Automatischer» Urheberrechtsschutz bei KI-generierten Bildern

Ob hier schon die Lösung naht, wage ich zu bezweifeln. Autor Martin Anderson beschreibt auf Unite.AI die Herausforderungen und Fortschritte bei der automatisierten Erkennung von Urheberrechtsverletzungen in KI-generierten Bildern. Trotz Bemühungen von Plattformen wie MidJourney und OpenAI’s DALL-E bleibt die ungewollte Reproduktion urheberrechtlich geschützter Inhalte ein Problem - was (im Gegensatz zum Training) ein klarer Urheberrechtsverstoß ist. 

Ein bemerkenswerter Ansatz ist »CopyJudge«, ein System, das in Zusammenarbeit zwischen der Schweiz, Sony AI und China entwickelt wurde. Es nutzt Gruppen von ChatGPT-basierten »Richtern«, um Eingaben auf mögliche Urheberrechtsverletzungen zu überprüfen. Anstatt Nutzeranfragen direkt zu blockieren, wandelt CopyJudge potenziell problematische Eingaben in unbedenkliche um, um die Generierung unerlaubter Inhalte zu verhindern.

Diese Methode zielt darauf ab, generative KI-Systeme vor der unbeabsichtigten Erstellung urheberrechtlich geschützter Werke zu schützen, ohne die Nutzererfahrung durch strikte Eingabebeschränkungen zu beeinträchtigen.

Wer die Übersetzung des Artikels haben möchte, kann mir eine E-Mail schreiben. 

rDJV und dju klagen gegen KI-Klauseln bei der "SZ"

Das Medienmagazin DWDL.de schreibt: «Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und die dju in ver.di gehen gerichtlich gegen den Verlag der «Süddeutschen Zeitung» (SZ) vor. Grund ist die Verwendung von bestimmten KI-Regelungen in Honorarbedingungen für Journalistinnen und Journalisten.»

Tatsächlich sind in den neuen Honorarbedingungen des Süddeutschen Zeitung eine Menge schwierige Formulierungen enthalten. Wir haben des Süddeutschen einen umfangreichen Fragenkatalog geschrieben, bislang aber - trotz Nachfrage - keine Antwort erhalten. Das mag daran liegen, dass der Verlag gleichzeitig seine Außenredaktionen abbaut und die neuen Honorarbedingungen anscheinend auch innerhalb des Verlages nicht kommuniziert wurden. Wir bleiben da auch dran und sind gespannt auf das Verfahren, dass die Kollegen von den Gewerkschaften angestoßen haben. 

Der Bildagenturen-Alptraum: Gemini entfernt Wasserzeichen

Googles KI-Flaggschiff Gemini 2.0 Flash versetzt die Medienbranche in Aufruhr. Wie in den vergangenen Tagen bekannt wurde, nutzen zahlreiche Anwender die Bildbearbeitungsfähigkeiten des Modells, um Wasserzeichen von geschützten Bildern zu entfernen – darunter auch die des renommierten Anbieters Getty Images. (It-daily.net, 20.03.2025)

Meta in Frankreich vor Gericht

Die Initiative Urheberrecht berichtet, dass mehrere französische Autoren- und Verlegerverbände Klage gegen Meta eingereicht haben, weil das US-Unternehmen massenhaft urheberrechtlich geschützte Werke genutzt haben soll, um seine KI-Modelle zu trainieren.

Metas Llama frisst Bücher

Die Debatte um Urheberrecht und KI-Training kommt ja durchaus auch in dem Leitmedien an. Hier ein Artikel von Spiegel-Kolumist Christian Stöcker, der feststellt, dass Meta für sein KI-Training ganz offenbar und auch bewusst raubkopierte Bücher nutzt. Gut es ist ja keine neue Erkenntnis, dass sich das KI-Business sehr viel besser rechnet, wenn man für die teuerste Ressource nichts bezahlen muss. Das ist nicht die Rechnerleistung und es sind auch nicht die Kälter für die KI-Nerds, sondern es ist das Trainingsmaterial: Texte, Musik, Fotos und alle anderen kreativen Werke. Der Artikel ist leider hinter der Paywall, aber dennoch:

Der im Bericht verlinkte Artikel von The Atlantic ist aber frei zugänglich. The Atlantic berichtet, dass Meta erwog, Bücher zu lizenzieren, um KI zu trainieren - sich aber stattdessen entschied die Piraterie-Datenbank LibGen für das training zu nutzen. LibGen enthält derzeit mehr als 7,5 Millionen Bücher und 81 Millionen Forschungsarbeiten. Begründung ea, dass es zu teuer gewesen wäre und zu hätte zu lange gedauert hätte, die Inhalte zu lizenzieren. Ein Argument, dass eines Taschendiebes würdig ist (The Atlantic, 20.03.2025)

Ich als Action-Puppe oder wie alle die KI mit ihren Bildern füttern

Vielleicht geht es Euch auch so, aber meine Timeline es sind plötzlich voller Action-Puppen in Blisterverpackungen die Bekannten seltsam ähnlich sehen. Alternativ gibt es viele Comic-Bilder im Stil von Studio Ghibli, die ebenfalls Bekannten ähnlich sehen. Das ist offenbar der neue heisse Scheiss für Mitmenschen, denen aktuell langweilig ist. Was diese dabei nicht bedenken ist, dass sie die KI mit erstklassigen Bildern ihrer selbst füttern. Und da all diese lustigen kleinen Anwendungen nicht zum Spass und aus Nächstenliebe zur Verfügung gestellt werden, landet das alles im Training- und Datenpool von OPEN AI. Wenn die solche persönlichen Bilder aus dem Netz gescraped werden, kann da mit der DSGVO kollidieren. Immerhin handelt es sich um persönliche Daten. Andres sieht es aus, wenn Nutzer*innen der Verwendung durch den Upload ausdrücklich zustimmen. Da ist es dann möglicherweise auch kein Problem, wenn die Gesichter irgendwo wieder auftauchen. Die Rechte sind hier ja geklärt. OPEN AI sagt Danke schön!

CBC Radio Canada schreibt darüber sehr ausführlich:

Abgesehen davon, dass plötzlich (fast) alle die KI voller Freude mit persönlichen Fotos versorgen, ist das kopieren des Stils natürlich auch nicht so ganz die feine Art. Stil kann man nicht schützen, aber die derart heftiges abkupfern wie im Fall von Studio Ghibli, dem Kult-Lieblings-Japan-Animationsstudio hinter Blockbuster-Filmen wie »My Neighbor Totoro« und »Spirited Away«, ist schon erschreckend.

TechCrunch dazu (26.03.2025)

Kennzeichnung und Verwendung von KI-Bildern bei Getty Images

Letzten Monat gab es im KI-Newsletter eine Meldung zu einem Artikel der NZZ:  Wenn Bildredaktionen bei der renommierten Agentur Getty Images Fotografien suchen, stossen sie oft auf computergenerierte Bilder, die danach der Leserschaft fälschlicherweise als Abbild der Realität angeboten werden. Der Artikel war hinter der Paywall. Jetzt hat uns Autor Christoph Schütz aber erlaubt, ihn auch auf der FREELENS-Website zu publizieren. Danke Christoph!

Technik

Smartphone-Bilder und Bilder auf WordPress-Websiten nach C2PA-Standard signieren.

Zwei nette kleine Anwendungen, die zeigen, dass sich etwas bewegt, in der Sache signieren von Bildern mit unsichtbaren Wasserzeichen. Mit diesen Signaturen werden urheberrechtlich relevante Daten und auch ein Nutzungsvorbehalt (opt-Out) gegen Verwendung als Ki-Trainingsmaterial fest mit dem Bilder verbunden. Die Bilder sind durch einen Code mit dem/der Urheber*in oder Website-Inhaber*in verknüpft.
Overlai ist eine App, mit der man seine (Smartphone)-Bilder mit Metadaten nach C2PA und IPTC Standard versehen kann. Ziemlich simpel in der Anwendung. Ich bin gespannt, ob das Verbreitung findet. Wünschenswert wäre es.

C2PA Signer ein von IPTC entwickeltes WordPress-Plugin signiert automatisch alle auf einer WordPress-Website veröffentlichten Bilder und Videoinhalte nach C2PA-Standard. Das Plugin ruft automatisch alle Bilder (in allen verfügbaren Größen) ab und signiert jedes Bild.

Midjourney v7 geht an den Start

Christian Kühne von DOCMA schreibt: »Die neue Generation der Bild-KI, Midjourney v7, lädt zum Testen ein – mit deutlichen Verbesserungen bei Kohärenz, Textur und einer neuen Art der Ideenfindung. Die Gerüchteküche brodelte, nun ist es offiziell: Midjourney hat die Alpha-Phase für seine mit Spannung erwartete Version 7 eingeläutet und lädt die Community zum Testen ein. Was als Flüstern über einen neuen »Draft Mode« begann, entpuppt sich als umfassendes Upgrade, das weit über beschleunigte Entwürfe hinausgeht.«

Boris Eldagsen hat v7 auch schon ausprobieren dürfen und spricht im Podcast mit Jürgen Scriba darüber, siehe unten.

Trügerische Perfektion: Was Fotograf*innen von Google Translate über künstliche Intelligenz lernen können

Nochmal Christoph Kühne auf DOCMA. Hier schreibt er über die Illusion der Perfektion, »Algorithmen können heute Bilder generieren, die technisch makellos erscheinen. Doch bei genauerem Hinsehen fehlt ihnen oft das, was ein wirklich gutes Bild ausmacht: Seele, Tiefe, Bedeutung. Wie bei Google Translate bleibt die KI in der Fotografie ein Werkzeug, das beeindruckt, aber nicht versteht.« Er glaubt: »Ein guter Fotograf bringt seine eigene Handschrift in jedes Bild ein, eine Handschrift, die keine KI nachahmen kann.« Da bin ich nicht so sicher, aber mir gefällt diese Ansicht.
Natürlich kann KI nicht »die Magie des Moments« einfangen, aber sehr viele Menschen suchen diese vielleicht auch gar nicht mehr und vermissen sie auch gar nicht. Hauptsache schnell und bunt. Hoffen wir, dass Kühne Recht behält:

META Opt-Out again

Einige mögen sich erinnern, dass wir im Sommer letzten Jahres schon mal bei Meta der Nutzung von Daten für KI-Training widersprochen haben. 
Das Thema ist aktuell wieder in aller Munde, weil Meta AI jetzt auch in Europa verfügbar ist. Damit wurde auch die Datenschutzrichtlinie bei Facebook und Instagram erneuert man muss seinen Widerspruch offenbar erneuern: 

Markt

Googles Gemini killt Apotheken-Rundschau 

Okay, die Überschrift soll plakativ sein. Tatsächlich betrifft das natürlich alle Medien. Der Traffic auf Webseite bricht massiv ein, weil Googles neue Funktion AI Overviews die Informationen aus dem Web automatisiert zusammenfasst und direkt als Suchergebnis anzeigt. Nutzer*innen können sich den Klick auf die Original-Website also sparen und tun das offensichtlich auch. Einem Bericht von Bloomberg zufolge erleben kleine und mittelgroßen Webseiten gerade einen historischen Einbruch. Ziemlich schlecht, wenn die Anzeigen nach Page-Impressions bezahlt werden.

Musks KI-Firma schluckt X und bekommt jede Menge Trainingsmaterial

Kress berichtet: »Die Plattform X verliert auch die formelle Eigenständigkeit im Reich von Elon Musk. X wird Teil seiner KI-Firma xAI - und dürfte viel Trainingsmaterial für die Software liefern.« … »Da der Twitter-Nachfolger nun ein Teil von xAI wird, dürfte es rechtlich viel einfacher werden, zum Training der von xAI entwickelten Künstlichen Intelligenz mit dem Namen Grok alle Inhalte der Online-Plattform zu verwenden.«

The Verge berichtet indessen, dass Sam Altman von OPEN AI plant, seine eigene Social media Plattform zu gründen.

H&M Models KI-generiert

Diese Meldungen wird es wohl bald nicht mehr geben, weil das einfach normal sein wird: PetaPixel berichtet, dass H&M KI-Klone für 30 seiner Modelle generiert hat und anfangen wird, KI-generierte Modebilder in den sozialen Medien zu veröffentlichen und sie in Marketingkampagnen einzubeziehen. »Photographers Not Happy«.

Podcast

I Scriba & Eldagsen mit der Rechtsanwältin Sabine Richly 

Der neue KI-Podcast der beiden ist auf YouTube: Diesmal haben sie Juristin Sabine Richly zu Gast. Sie begleitet den Code-of-Practice-Prozess für die Initiative Urheberrecht begleitet und auch der AG Fortschritt des Fotorates tatkräftig zur Seite steht.

In der dritten Folge geht es außerdem um den neuen Bildgenerator von OpenAI, OmniHuman, wie Trollfarmen den politischen Bias künftiger Modelle beeinflussen, die Hintergründe des Trumpschen Gaza-Videos.

WIE KI-UNTERNEHMEN DAS URHEBERRECHT AUSHEBELN

Ein Gespräch mit Sebastian Stober, Professor für Informatik an der Universität Magdeburg:

Was ist das Urheberrecht in Zeiten von KI noch wert? Meta hat sein KI-Modell Llama 3 wohl mit Raubkopien von Millionen von Büchern trainiert, darunter sind auch viele Sachbücher und Romane deutschsprachiger Autor*innen. In den USA machen die KI-Unternehmen gerade Druck und fordern eine Deregulierung. Sie wollen auch auf urheberrechtlich geschützte Inhalte zugreifen können, um ihre Algorithmen zu trainieren. Was bedeutet das für Autor*innen? Darüber spricht radio3 mit Sebastian Stober, Professor für Informatik an der Universität Magdeburg.

»Ohne Block und Bleistift«: Fotograf*in in Zeiten von KI

Sascha Robbe hat Jürgen Scriba und Damian Zimmermann, Kölner Journalist, Fotograf und Leiter des FotoMagazins, in ihren Podcast eingeladen um über KI und Fotojournalismus zu sprechen. Das Thema wird noch einmal schön aufgerollt, Jürgen erklärt nochmal sehr gut die Grenzen zwischen KI-Tools und manipulativer KI-Bildbearbeitung und spricht über den neuen Wettbewerb gegen die KI. 

Meinung

Falsche Bilder können wir uns nicht leisten

Sven Ehmann von der laif foundation schreibt auf publix.de: »Die Krise von Medien und Demokratien verändert unseren Blick auf die Realität: KIs erfinden Bilder, wo früher Reporter:innen nach Wahrheiten gesucht haben. Nie war Fotojournalismus wichtiger als jetzt!« … »Wir müssen sehen, wenn ein Krieg ausbricht, wenn das Feuer naht, wenn die Demokratie bedroht wird, und wir wollen auch sehen, wenn Frieden geschlossen oder ein Wald aufgeforstet wird. Wir wollen es sehen und wir wollen es glauben können. Da genügen uns erfundene und gepromptete Motive nicht, sie sind zu articifial, wo wir Menschlichkeit brauchen.«

Auch das noch

Die KI-Papier-Zeitung

Tagesschau.de berichtet, dass der Chefredakteur der italienischen Zeitung Il Foglio einen Teil seiner Zeitung mit KI schreiben lässt: »Journalisten formulieren ein Thema, den Rest übernimmt die Künstliche Intelligenz: Nach diesem Prinzip füllt die italienische Zeitung Il Foglio seit dem 18. März jeden Tag vier Seiten, die sie der traditionellen Ausgabe beilegt. »Er sagt dazu:« Weder ihm als Chefredakteur noch den Betriebswirten im Verlag gehe es darum, Arbeitskraft von Journalistinnen und Journalisten einzusparen. Das Ziel sei ein ganz anderes: Die Zeitung wolle herausfinden, »welche Grenzen KI im Journalismus überwinden kann und welche nicht«. Ach so. Na dann …

Für Rückfragen zum KI Newsletter: mail@marco-urban.de | Marco Urban — Vorstandsvorsitzender

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