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KI Newsletter # 15

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es ist ein bisschen Sommerpause, was die Politik, den AI Act und unsere Rechte angeht. Es gibt die ersten Reaktionen auf den Code of Practice (CoP) und das Transparency Template. Zur Erinnerung: Der CoP soll quasi auf freiwilliger Basis das Urheberrecht durchsetzen bzw. soll er den KI-Unternehmen erleichtern, den AI Act zu befolgen. Das Template soll aufzeigen, wie KI-Unternehmen Transparenzvorgaben umsetzen können. Die Reaktionen fallen nicht unbedingt schmeichelhaft aus.

Aber statt immer nur Gesetzestexte zu lesen und Statements zu studieren, wollen wir den Sommer nutzen, um etwas anderes auszuprobieren:

ACHTUNG, ACHTUNG!

Einladung zum Zoom-Austausch »GenKI: Chancen & Möglichkeiten für Fotograf*innen«

Im Open Space »KI« im Rahmen der Mitgliederversammlung in Hamburg und auch an anderer Stelle wurde darum gebeten, mehr darüber zu informieren, welche Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle es durch generative KI geben kann.
Wir bieten Workshops dazu an, wie man bildgenerative KI benutzt aber das beinhaltet keine Strategien für den Markt. Auf die Frage zu Geschäftsmodellen gibt es auch relativ wenig Antworten, die irgendwo nachzulesen sind – manche werden das lieber für sich behalten.

Ich bin ja bekanntlich nicht übermäßig optimistisch. Aber ich würde mich sehr gerne irren: Natürlich wäre es gut, wenn mit neuen Geschäftsmodellen die Umsätze ersetzt werden, die durch den kundenseitigen Einsatz von bildgenerativer KI verloren gehen.
Also laden wir zu einem virtuellen Austausch via Zoom ein. Vielleicht möchten einige über die erfolgreiche Umsetzung von Ideen berichten, vielleicht hilft es auch schon, gute Fragen zu stellen. 

Ganz interessant in dem Zusammenhang ist übrigens das Gespräch von Jürgen Scriba und Boris Eldagsen mit Monica Menez im KI-Podcast des Fotorates. Monica fotografierte Mode und wird jetzt für die Produktion von sehr hochwertigen KI-Bildern und Filmen gebucht. Sehr interessant:
https://deutscher-fotorat.de/beitraege/ki-podcast-folge-6

Als Expertin haben wir Claudia Bußjaeger gewinnen können. Sie hat schon sehr früh www.yesweprompt.de gegründet. Im Mission-Statement auf ihrer Website heißt es:

»We believe that AI is not only a hype ... it will become a tool to create new visions on another level. So this is going to be the first AI representation which connects you with AI artists who really know how to prompt – helping you to realize your ideas faster than you can, or simply to inspire you with new ways of thinking and worlds. All in respect of ethical principles.«

Aus dieser Auftaktveranstaltung kann sich vieles ergeben: Vielleicht schließen sich Kolleg*innen zusammen oder treffen sich regional, um Ideen weiterzuentwickeln oder wir lassen diesen virtuellen Austausch zu einem regelmäßigen Event werden. Alles ist möglich – wenn man irgendwo beginnt.

Termin ist der 20. August, 17 Uhr.

Zur Teilnahme bitte hier klicken

Rückfragen bitte gerne an Marco Urban:mail@marco-urban.de

Wir freuen uns auf rege Beteiligung und ich wünsche euch einen schönen August.

Beste Grüße,
Marco


Wenn ihr Anregungen und Wünsche zu den Newslettern habt, lasst es uns gerne wissen: post@freelens.com

Reminder

KI-Kompetenz-Schulungen im August 2025 – Webinare mit Teilnahmenachweis

Wir möchten euch nochmal auf das für Mitglieder kostenlose Angebot der zwei KI-Kompetenz-Schulungen hinweisen:
Seit August 2024 wird der EU AI Act, das Rahmengesetz der EU zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz, sukzessive umgesetzt. Professionelle Anwender*innen von KI sind danach verpflichtet, verantwortlich und informiert mit KI umzugehen. Dies haben wir zum Anlass genommen, in diesem Monat zwei Webinare, sogenannte KI-Kompetenz-Schulungen anzubieten, die helfen sollen, sich in der bisher undeutlichen Lage zurechtzufinden und bei Kund*innen nachweisen zu können, dass ihr euch mit dem Thema auseinandersetzt.

»Kompetenz-Schulung zu ethischen und technischen Aspekten der KI-Nutzung«
mit Eva Häberle am Donnerstag, 14. August 2025, von 16 bis 17:30 Uhr inkl. Zeit für Fragen.

Anmeldung per E-Mail an post@freelens.com bis Donnerstag, 14. August 2025 um 12 Uhr.

»Kompetenz-Schulung zu rechtlichen Aspekten der KI-Nutzung«
mit RA Dr. Sebastian Rengshausen, am Donnerstag, 28. August 2025, von 16 bis 18 Uhr inkl. Zeit für Fragen. 
Anmeldung per E-Mail an post@freelens.com bis Donnerstag, 28. August 2025 um 12 Uhr.

Politik

Report des Europäischen Parlaments zu KI & Urheberrecht

Der Berichtsentwurf des Rechtsausschusses des Europäischen Parlaments (Autor Berichterstatter Axel Voss, MdEP) »on Copyright and generative artificial intelligence – opportunities and challenges« wurde am 27.06.2025 offiziell veröffentlicht.

Der Bericht unterstreicht, dass der rechtliche Rahmen in der EU aktuell nicht ausreicht, um den Herausforderungen durch generative KI zu begegnen. Er fordert:

  • eine zeitnahe Prüfung des bestehenden Rechtsrahmens, insbesondere der Auswirkungen auf Wettbewerbsbedingungen
  • eine klare Entscheidung für Vergütungsmechanismen, damit Urheber*innen fair entlohnt werden, wenn ihre Werke für KI-Trainingszwecke genutzt werden
  • schnelles Handeln – anstatt auf die überarbeitete Urheberrechtsrichtlinie im Jahr 2026 zu warten, drängt der Bericht auf sofortige Maßnahmen

Das finden wir erstmal nicht so schlecht und auch die Initiative Urheberrecht begrüßt den ersten Entwurf des Berichts grundsätzlich. Der Bericht enthält wichtige Forderungen wie Transparenzpflichten und Vergütung, so die IU. Dennoch warnt sie vor einigen Aspekten und fordert gezielte Nachbesserungen.

(IU, 05.08.2025): https://urheber.info/diskurs/pressemitteilung-zum-voss-bericht

In diesem Zusammenhang ist für echte Nerds die Studie von Prof. Nicola Lucchi interessant, die dem Berichtsentwurf des Rechtsausschusses zugrunde liegt. Sie hat über 170 Seiten, ist aber Wasser auf unsere Mühlen:

Die Studie kommt zu fünf wesentlichen Ergebnissen:

  • Die derzeitige Ausnahmeregelung der EU für Text- und Datenauswertung (Text and Data Mining, TDM) wurde nicht für den expressiven und synthetischen Charakter des Trainings generativer KI konzipiert, und ihre Anwendung auf solche Systeme birgt die Gefahr, dass der Zweck und die Grenzen der EU-Urheberrechtsausnahmen verzerrt werden.
  • Vollständig maschinell generierte Ergebnisse sollten ungeschützt bleiben; KI-gestützte Werke erfordern harmonisierte Schutzkriterien.
  • Eine gesetzliche Vergütungsregelung ist unerlässlich, um die wachsende Wertlücke zwischen Urheber*innen und KI-Entwickler*innen zu schließen.
  • Die fragmentierte Governance-Landschaft unterstreicht die Notwendigkeit kohärenterer, sektorübergreifender institutioneller Maßnahmen.
  • Ohne rechtzeitige Reformen riskiert die EU Rechtsunsicherheit, Marktkonzentration und kulturelle Homogenisierung.

»Die größte Herausforderung besteht heute nicht in der technologischen Innovation, sondern in der instrumentellen Neuinterpretation von Rechtsgrundsätzen, die deren Kohärenz untergräbt.
Die richtige Antwort besteht nicht darin, das Urheberrecht an KI anzupassen, sondern sicherzustellen, dass die Entwicklung von KI die zentralen rechtlichen und politischen Grundsätze des EU-Urheberrechts, darunter Urheberschaft, Originalität und faire Vergütung, achtet.«

Politik

Code of Practice – »Keine Pay­walls kna­cken oder mit Piraten pak­tieren«

Nico Kuhlmann schreibt in der Legal Tribune Online über den Code of Practice – eine gute Zusammenfassung.

POLITICO schreibt, dass ein überwiegender Teil der großen KI-Unternehmen sich kompromissbereit gegenüber Brüssels Vorgaben zeigt. Ausnahme ist Meta, das weiterhin auf Konfrontation setzt. POLITICO ist der Meinung, dass die EU-Position in der globalen Regulierung digitaler Technologien gestärkt wurde.

Politik

Initiative gegen Deepfakes von Dänemark und den Niederlanden

Ich schrieb schon im letzten Newsletter darüber. Im Kluwer Copyright Blog schreibt P. Bernt Hugenholtz  (Institute for Information Law (IViR)), warum er die Idee gut findet, aber trotzdem nicht glücklich damit ist.

Politik

China schlägt weltweite Zusammenarbeit bei KI vor

Angesichts der geplanten Lockerung der Vorgaben für Künstliche Intelligenz (KI) in den USA hat Chinas Ministerpräsident Li Qiang vor den Risiken einer unkontrollierten Entwicklung gewarnt. Bei der Eröffnung der Weltkonferenz für Künstliche Intelligenz (WAIC) in Shanghai am Samstag sagte Li: »Wenn wir uns auf technische Monopole, Kontrollen und Blockaden einlassen, wird künstliche Intelligenz die Domäne einiger weniger Länder und einiger weniger Unternehmen sein.«

Markt

Neue Wege bei der Musiklizensierung

IT Boldwise berichtet, dass »Kobalt, ein führender Musikverlag, eine wegweisende Lizenzvereinbarung mit der KI-Plattform Eleven Music von ElevenLabs bekannt gegeben hat. Diese Partnerschaft könnte die Art und Weise, wie generative KI im Musikbereich lizenziert wird, grundlegend verändern.« Dabei ist tatsächlich die Rede von einer 50/50-Aufteilung der Einnahmen.

Markt

Was KI mit unseren Jobs macht

Ji-Hun Kim, Mitbegründer und Chefredakteur des Online-Magazins »Das Filter«, schreibt in einer Kolumne des Monopol Magazins:
»Die KI-Revolution kommt nicht – sie ist längst da. Und sie kostet Jobs. Während Politiker beschwichtigen und Tech-CEOs Wachstum versprechen, verlieren Menschen weltweit ihre Lebensgrundlage. Zeit, unbequeme Fragen zu stellen.«

Recht & Unrecht

Elon Musks KI Grok würzt mit Nacktheit

Elon Musks Chatbot Grok liefert KI-generierte Videos, die Dank einer »Spicy«-Einstellung auch recht explizit nackte Haut zeigen und zwar auch von Prominenten. Dem US-Magazin »The Verge« gelang das wohl ohne weiteres. So wurde mit einem Bild, auf dem Taylor Swift ein silbernes Oberteil trägt ein Clip generiert, in dem sie sich dieses vom Leib reißt. Fake-Videos mit explizitem Inhalt sind somit jetzt von jedermann generierbar.

Recht & Unrecht

Perplexity umgeht Sperren für KI-Scraping

Trending Topics berichtet: »Der Internet-Infrastruktur-Anbieter Cloudflare hat das KI-Unternehmen Perplexity AI beschuldigt, ›Stealth-Crawler‹ zu verwenden, um Webseitensperren zu umgehen. Laut Cloudflare griff Perplexity weiterhin auf Inhalte zehntausender Websites zu, obwohl diese den Zugang explizit blockiert hatten.«

Nicht nett, aber auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass KI-Training ja selten vor irgendetwas Halt macht.

Recht & Unrecht

AI-Copyright-Verweigerer Bingo

Graham Lovelace hat ein hübsches Bullshit-Bingo mit den Argumenten der KI-Industrie gegen Urheberrechte gebastelt:

Podcast

KI-Fotorat-Podcast – # 7

Dr. Jürgen Scriba, Leiter der Arbeitsgruppe "Technischer Fortschritt" / Deutscher Fotorat unterhält sich mit Boris Eldagsen (Mitglied der Arbeitsgruppe) über aktuelle Auswirkungen von KI auf Fotografie. Zu Gast ist diesmal Dr. Aljoscha Burchardt, Principal Researcher des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Berlin und Co-Host des Podcasts "KI - und jetzt" des SR, rbb und DFKI. Thema ist das Projekt "Wegweiser KI" zwischen dpa und DFKI: https://www.dpa.com/de/wegweiser-ki

KI-Fotorat-Podcast – # 7 Spezial

Es gibt diesen Monat gleich noch einen Fotorat-Podcast, ein „Spezial“ mit sehr interessanten Gästen, die als echte Insider einen selten offenen Blick hinter die Kulissen der europäischen Gesetzgebung zum AI Act gestatten.
Es geht um folgende Fragen: Wo sind die offenen Baustellen? Wie kommt es, dass es nur so vor Initiativen wimmelt und trotzdem kein echter Fortschritt in Sicht zu sein scheint? Was können Kreative jetzt tun, um sich für Ihre Rechte am geistigen Eigentum einzusetzen?

Zu Gast sind Nina George vom European Writers’ Council
https://www.nina-george.de/kontext/
https://europeanwriterscouncil.eu

und Kai Zenner aus dem Europäischen Parlament
https://www.kaizenner.eu
https://www.axel-voss-europa.de

Wahr oder Falsch

Menschen entlarven KI-Fotos nur zu 62%

WinFuture berichtet über eine Microsoft-Studie, nach der die Trefferquote bei der Frage, ob ein Bild echt oder KI-generiert ist, nur knapp über dem Zufall liegt.

Wahr oder Falsch

Welt TV startet KI-generierte Nachrichtensendung

»Künstliche Intelligenz übernimmt jetzt auch das Nachrichtengeschäft: Welt TV bringt eine wöchentliche Sendung, die nicht nur von einer KI moderiert, sondern komplett produziert wird. Was dahintersteckt und warum das in Deutschland bislang einmalig ist«, kann man auf der Website von watson lesen.
Besonders bewegend ist das nicht, aber es zeigt, wo es lang geht.

Die Sendung kann man hier schauen: https://www.welt.de/kultur/medien/video688b5d71eba40421e07dfa7e/ki-welt-sehen-sie-hier-die-deutschlandweit-erste-von-einem-avatar-moderierte-ki-sendung.html

Und was »Die Welt« selbst dazu sagt, kann man hier lesen:
https://www.welt.de/kultur/medien/article6889de5704c6af4608d5bf62/in-eigener-sache-welt-tv-startet-deutschlandweit-erste-von-avatar-moderierte-ki-sendung.html

Technik

IPTC schlägt neue Felder für KI-generierte Bilder vor

Die IPTC Photo Metadata Working Group, das Gremium, welches festlegt, welche IPTC-Datenfelder es gibt, schlägt einige Felder für Bilder vor, die mit generativen KI-Systemen erstellt wurden. Die Gruppe präsentiert einen Entwurf dieser Felder und bittet um Feedback. Die neuen Felder sollen zu einer neuen Version des IPTC Photo Metadata-Standard hinzugefügt werden, die Ende 2025 veröffentlicht werden soll. Wann diese Felder dann wirklich nutzbar sind, entscheiden aber die Softwarehersteller. So gibt es ein Feld »Date Mining«, in dem man angeben kann, ob KI mit dem Foto trainiert werden darf oder nicht. Eigentlich ideal, um den gesetzlich geforderten Nutzungsvorbehalt auszusprechen. Leider gibt es kaum eine Software, mit der man das Feld ausfüllen kann.

Für Rückfragen zum KI Newsletter: mail@marco-urban.de | Marco Urban — Vorstandsvorsitzender

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Heike Ollertz
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