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KI Newsletter # 18

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

hier ist der aktuelle FREELENS KI-Newsletter mit allerlei Meldungen zu den Themen KI, Fotografie und Urheberrechte. 

Ich wünsche viel Spaß und viele Erkenntnisse beim Lesen.

Marco Urban

P.S.: Wir planen weiter an einem Arbeitskreis, der sich mit dem Thema »Arbeiten mit KI« und den entsprechenden Geschäftsmodellen beschäftigt. Ein paar Interessierte haben sich gemeldet, aber da dürfen gerne noch ein paar mehr mitmachen. 

Bei Interesse gerne eine E-Mail direkt an mich: mail@marco-urban.de

Politik

Stellungnahme des Fotorats zu KI-generierten Bildern in den Medien

Die AG Fortschritt des Fotorats ist weiterhin fleißig.  Es wurde eine Stellungnahme zu Herausforderungen und Maßnahmen betreffend KI-generieten Bildern in den Medien veröffentlicht. Adressiert ist es an Medien und Verlage. 

Im letzten Absatz fordert der Deutsche Fotorat einen branchenübergreifenden Dialog und die Schaffung geeigneter Gremien und Diskussionsformate, um gemeinsame Antworten auf die neuen Herausforderungen zu finden:

»Es liegt in unser aller Interesse, die Glaubwürdigkeit der Fotografie und damit auch der Medien zu erhalten. Wir alle müssen unseren Teil dazu beitragen. Das bedeutet, dass wir uns intensiv mit den Herausforderungen und den möglichen Maßnahmen auseinandersetzen und uns entsprechend verhalten. Auf gesetzliche Vorgaben zu warten ist keine Option. Je mehr Zeit vergeht, desto weiter geraten wir in eine Welt, in der sich der Wert von Inhalten primär an ihrem Unterhaltungswert bemisst und der Realitätsgehalt irrelevant wird, da sich dieser – tatsächlich oder gefühlt – nicht mehr einschätzen lässt.«

Kulturstaatsminister Weimer bekam die Stellungnahme im Rahmen eines Gesprächs mit Urheberrechtsverbänden (s.u.) bereits von Julia Laatsch - eine der Vorsitzenden des Fotorats - überreicht.

EU plant Pause bei KI-Regulierung

Graham Lovelace berichtet auf Substack, dass Aktivisten die Europäische Kommission auffordern, Pläne zur Aussetzung des KI-Gesetzes und zur Abschwächung der Digitalgesetze aufzugeben.

Die Europäische Kommission steht zunehmend in der Kritik, da sie offenbar plant, zentrale digitale Rechtsvorschriften der EU zu verwässern oder zu verzögern – darunter den EU AI Act, die Datenschutz-Grundverordnung (GDPR) und die ePrivacy-Regelungen. Der Druck stammt nach Informationen der Financial Times vor allem aus den USA: Die Trump-Administration und große Technologiekonzerne aus dem Silicon Valley haben deutlich gemacht, dass sie europäische Regulierungen als Wettbewerbshindernis ansehen. Die Kommission soll daher eine „vereinfachte“ Fassung des digitalen Regelwerks vorstellen, die jedoch in Wirklichkeit auf eine Schwächung der existierenden Schutzmechanismen hinausläuft.
Konkret sieht der Entwurf vor, eine einjährige Schonfrist für Entwickler hochriskanter KI-Systeme einzuführen und Sanktionen für Verstöße gegen Transparenzpflichten erst ab August 2027 zu verhängen – obwohl der EU AI Act bereits seit 2024 in Kraft ist. Besonders besorgniserregend sind aber die geplanten Änderungen der GDPR: Laut der Datenschutzorganisation NOYB könnten neue Definitionen personenbezogener Daten dazu führen, dass deren Schutz untergraben wird, während KI-Systeme sensible Daten deutlich freier verarbeiten dürfen als bisher. Auch die lang verzögerte ePrivacy-Verordnung soll dahingehend angepasst werden, dass persönliche Daten in bestimmten Fällen für KI-Training genutzt werden dürfen.

Die Kritik fällt massiv aus: In einem offenen Brief haben sich 127 Organisationen gegen diese Pläne gewandt und warnen vor dem »größten Rückschritt in der Geschichte der digitalen Grundrechte in Europa«. Der NOYB-Vorsitzende Max Schrems spricht von einer »Trumpian lawmaking«-Methodik, die demokratische Kontrollmechanismen untergräbt. Schriftstellerin und Beauftragte für politische Angelegenheiten beim European Writers’ Council Nina George bezeichnet das Vorgehen als »Red Herring« – ein Ablenkungsmanöver, das suggerieren soll, die EU habe die Macht, den AI Act zu verzögern oder gar aufzuheben, obwohl dies gar nicht in ihrer Kompetenz liegt. Sie warnt vor einer gefährlichen Entwicklung, bei der die Rechte europäischer Bürger*innen zugunsten globaler Konzerne geopfert werden könnten.
Die Frage steht damit im Raum: Handelt es sich tatsächlich um ein politisches Signal, das den USA und China eine gewisse Flexibilität in Regulierungsfragen suggerieren soll – oder erleben wir die schleichende Aushöhlung europäischer Souveränität im digitalen Raum? Klar ist: Sollte die Europäische Kommission diese Richtung einschlagen, werden die Gerichte und die Zivilgesellschaft eine zentrale Rolle spielen müssen, um die bestehenden Grundrechte zu verteidigen.

Update: Ein paar Tage später meldet das auch der Spiegel. Mir drängt sich das Gefühl auf, dass man für den Betrieb eines KI-Modells oder -Systems weniger Auflagen erfüllen muss als für den Bau eines Einfamilienhauses. 

Spitzentreffen der Kultur- und Kreativwirtschaft beim Kulturstaatsminister Weimer

Bei einem Spitzentreffen zur Zukunft der Kultur- und Kreativwirtschaft im Bundeskanzleramt hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer seine Kritik an KI-Firmen erneuert. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di forderte ihn zum Handeln auf. Die Fotograf*innen wurden durch die Vorsitzende des Fotorates (und FREELENS Beiratsmitglied), Julia Laatsch, vertreten.

13. Urheberrechtskonferenz der Initiative Urheberrecht

Zum 13. Mal lud die Initiative Urheberrecht am 10. November zur internationalen Urheberrechtskonferenz ein – im 25. Jahr des Bestehens der Dachorganisation und unter dem Motto »Kultur. Freiheit. Europa – seit 25 Jahren stark für Kultur und Wirtschaft«.

Wer möchte, kann sich die Aufzeichnung hier anschauen:

Diskussionspapier der Bundesländer für Vergütung und Transparenz bei KI-Training

Heise berichtet von einem Diskussionspapier für einen »Digitale-Medien-Staatsvertrag« (DMStV) der Rundfunkkommission der Länder vom 22. Oktober 2025, in dem ein eigenständiger, gesetzlicher Vergütungsanspruch für die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke beim KI-Training gefordert wird. Ziel wäre ein Lizenzmodell, das durch kollektive Wahrnehmung über Verwertungsgesellschaften einen fairen Ausgleich zwischen Innovation und den Interessen der Rechteinhaber schaffe.
Transparenzpflichten sollen verschärft werden und KI-Unternehmen müssten detailliert offenlegen, welche Werke konkret für das Training genutzt werden, sobald die Nutzung über eine bloße Zusammenfassung hinausgeht. Eine klare Kennzeichnungspflicht soll auch für Crawler und Bots gelten.
Ersteres mag gut klingen, bedeutet aber nur, dass wir aus so einer Lizenz rausoptieren müssen, wenn wir die KI nicht mit unseren Werken trainieren wollen, so wie es die VG Bild-Kunst schon in den neuen Wahrnehmungsverträgen vorgesehen hat (die den meisten noch nicht vorliegen sollten). Ich bezweifele sehr, dass die Lizenzgelder auch nur annährend kompensieren, was durch die KI in unserer Branche an Umsätzen verloren gehen wird. Schlimmer ist aber, dass wir uns darum kümmern müssen, wenn wir etwas nicht wollen, und nicht die KI-Unternehmen sich darum kümmern müssen, wie sie Lizenzen mit uns abschließen können. Jurist*innen nennen das eine Verlagerung der Rechtslast vom Verletzenden auf das Opfer. 
Das Zweite ist gut, weil die werkgenaue Transparenz von den Urheberverbänden vehement gefordert wurde … ansonsten ist eine Kontrolle ja völlig unmöglich. Im AI-Act der EU ist das so aber nicht vorgesehen. 

Das Diskussionspapier der Rundfunkkommission hier im Original: 

CEPIC fordert klare Regeln für KI und Urheberrecht

Die CEPIC, der europäische Branchenverband der Bildagenturen fordert in einer Stellungnahme, dass der Einsatz von GenAI strikt im Einklang mit dem bestehenden Urheberrecht erfolgen muss. KI-Modelle dürften nur auf urheberrechtlich geschütztem Material trainiert werden, wenn Rechteinhaber*innen ausdrücklich zugestimmt haben; rein KI-erzeugte Werke ohne menschliche Kreativleistung sollen keinen Urheberrechtsschutz genießen. Zudem spricht sich die CEPIC gegen pauschale Vergütungssysteme und für lizenzbasierte, faire Entlohnung aus.

Unterschreiben gegen die Superintelligenz

Future of Life (futureoflife.org) hat eine Unterschriftenaktion imitiert:
»Innovative KI-Tools können beispiellose Gesundheit und Wohlstand bringen. Neben diesen Tools haben viele führende KI-Unternehmen jedoch das erklärte Ziel, in den nächsten zehn Jahren eine Superintelligenz zu entwickeln, die alle Menschen bei praktisch allen kognitiven Aufgaben deutlich übertreffen kann. Dies hat zu Bedenken geführt, die von der wirtschaftlichen Überflüssigkeit und Entmachtung des Menschen über den Verlust von Freiheit, bürgerlichen Freiheiten, Würde und Kontrolle bis hin zu Risiken für die nationale Sicherheit und sogar der potenziellen Auslöschung der Menschheit reichen. Die folgende prägnante Erklärung soll ein gemeinsames Bewusstsein für die wachsende Zahl von Experten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens schaffen, die sich gegen eine überstürzte Entwicklung hin zur Superintelligenz aussprechen.«

Recht & Unrecht

ProfiFoto zu den Transparenzpflichten von Fotograf*innen im AI Act der EU

Die ProfiFoto hat dankenswerterweise nochmal kurz und klar aufgeschrieben, welche Transparenzpflichten mit dem AI-Act, bzw. der KI-Verordnung der EU auf uns Fotograf*innen ab Mitte nächsten Jahres zukommen.

GEMA vs. Open AI

Über dieses Urteil wurde breit berichtet: Die GEMA hat vor dem Landgericht München I (Az. 42 O 14139/24) gegen OpenAI mit Blick auf die Nutzung von Liedtexten durch ChatGPT erfolgreich geklagt. Das Gericht hielt die Verwendung von Texten u. a. von Titeln wie »Atemlos«, »Männer« oder »Über den Wolken« für eine urheberrechtswidrige Vervielfältigung.  
Im Fokus stand insbesondere auch die Frage, ob eine Nutzung durch KI-Training durch die Schranke des § 44b Urheberrechtsgesetz (UrhG) – »Text and Data Mining« – gedeckt ist. Das Gericht widersprach: Zwar könnten automatisierte Vervielfältigungen zur Erstellung eines Trainings-Datensatzes grundsätzlich durch § 44b UrhG erfasst sein, doch nicht dann, wenn – wie hier – komplette Werke gespeichert und über die KI abrufbar gemacht werden.  
Damit stellt das Gericht klar: Die Nutzung von geschützten Liedtexten zum Training von KI-Modellen und deren Wiedergabe durch das System überschreitet die Schranke des Text and Data Mining-Paragraphen § 44b UrhG und greift in das Verwertungsrecht der Urheber*innen ein.  

Das Urteil hat Signalwirkung: Es könnte weit über Liedtexte hinaus die Nutzung von kreativ-geschützten Werken durch KI-Anbietende betreffen – und Rechteinhaber*innen eine stärkere Verhandlungsposition verschaffen. 
Hintergrund: 

§ 44b UrhG (»Text and Data Mining«) erlaubt grundsätzlich das automatisierte Auswerten urheberrechtlich geschützter Werke, um daraus Informationen oder Muster zu gewinnen – etwa beim Training von KI-Modellen. Diese Schranke gilt jedoch nur, wenn
die Nutzung nicht kommerziell ist oder der/die Rechteinhaber*in einer kommerziellen Nutzung nicht ausdrücklich widersprochen hat (Opt-out), und die erstellten Kopien nicht dauerhaft gespeichert oder öffentlich zugänglich gemacht werden.
Im Münchener GEMA-Verfahren wurde genau dieser letzte Punkt entscheidend: Das Gericht sah die Speicherung und mögliche Wiedergabe kompletter Liedtexte durch ChatGPT nicht mehr als bloßes Data Mining, sondern als urheberrechtswidrige Vervielfältigung.
Damit schränkt das Urteil die Berufung auf § 44b UrhG für KI-Anbietende deutlich ein – insbesondere, wenn das Training oder die Ausgabe urheberrechtlich geschützter Werke kommerziell erfolgt oder die Inhalte reproduzierbar sind.
  

Sehr interessant ist, wie klar sich Dr. Ottilie Paola Klein, MdB, als Sprecherin & Vorsitzende der Arbeitsgruppe Kultur und Medien in der CDU/CSU Bundestagsfraktion dazu äußert:

​»Das Urteil stellt klar: Geistiges Eigentum ist kein Selbstbedienungsladen für Tech-Konzerne. Wer kreative Leistungen nutzt, muss sie vergüten! Auch im Digitalen gelten Urheberrechte. 

Als CDU/CSU-Fraktion wollen wir Urheber- und Verwertungsrechte noch wirksamer schützen – zum Beispiel im Rahmen der Evaluierung der EU-Urheberrechtsrichtlinie. Künstliche Intelligenz eröffnet große Innovationschancen. Aber sie darf sich nicht gegen die Menschen richten, die Inhalte, Ideen und Kultur schaffen. Ihre Leistung muss fair vergütet werden.«

Urheberrechtsklage gegen OpenAI: Detaillierte KI-Ideen im Fokus

GOLEM berichtet über eine Sammelklage gegen OpenAI und Microsoft. Der Vorwurf: Die KI-Modelle von OpenAI sollen urheberrechtlich geschützte Werke ohne Genehmigung genutzt haben. Ein Bundesrichter hat nun entschieden, dass die detaillierten Buchideen von ChatGPT für eine Fortsetzung der Game-of-Thrones-Saga das Urheberrecht von George R.R. Martin verletzen könnten und die Klage zugelassen.
Das ist interessant, weil es hier tatsächlich nur um eine Idee und die Fortsetzung der Geschichten geht. 

Getty Images vs. Stability AI

Der High Court für England und Wales hat der Bildagentur Getty Images in ihrer Klage gegen das KI-Unternehmen Stability AI nur in einem Teilaspekt Recht gegeben.  
Die Klage war eine der ersten größeren und richtete sich mit dem Vorwurf gegen Stability AI, Millionen urheberrechtlich geschützte Fotos aus der Getty-Datenbank zum Training von KI-Modellen verwendet zu haben. Wir erinnern uns: Damals waren die Wasserzeichen von Getty Images auf vielen generierten Fussball-Ki-Bildern zu sehen.
Das zuständige Gericht  erklärte sich für unzuständig, da das Training der Modelle nicht in England oder Wales stattgefunden habe.  
Zudem stellte das Gericht fest, dass das fertige Modell keine Kopien der Trainingsbilder speichere; zwar seien während des Trainings geschützte Werke verarbeitet worden, doch dies stelle keine rechtswidrige Vervielfältigung durch die Speicherung von Bildern dar.  
Ein Teilerfolg für Getty Images: In Bezug auf Markenrechtsverletzungen sah das Gericht eine Schuld von Stability AI, da das KI-Modell Bilder mit Getty- und iStock Logoserzeugte, was das Gericht als Markenrechtsverletzung wertete.

Opt-Out für Open AI´s »Sora 2«

slashCam, eine Website für digitale Veranstaltungstechnik und Film, veröffentlichte einen Artikel zu einem Konflikt zwischen Open AI´s neuer KI-App »Sora 2« und dem Urheberrecht. »Sora 2« setzt ja Maßstäbe für die Generierung von Videos (siehe auch letzter Newsletter). Nun gibt es ja immer einen Konflikt mit den Urheberrechten, da das Training von KI in aller Regel nicht nach Rücksprache mit den Urheber*innen der Trainingswerke stattgefunden hat. Bei »Sora 2« können auch noch Werke oder Teile davon in KI-generierte Werke integriert werden und es lassen sich sehr leicht Videos mit bekannten Persönlichkeiten erstellen. 
Die Lösung, die OPEN AI Urheber*innen anbietet, ist ein Hohn: Open AI erlaubt sich per Nutzungsrichtlinie selbst »die Veröffentlichung urheberrechtlich geschützten Materials, solange die Rechteinhaber nicht explizit widersprachen. Nach OpenAIs Vorstellungen musste man der Firma also explizit melden, dass man nicht in »Sora2« »vorkommen« will.«
Das ist grotesk. 

Rechtsprechungsliste KI und IP, Deutschland und weltweit.

Ein Fundstück, dass ich beim herumgoogeln gefunden habe: Die Kanzlei Härting hat eine Liste aller aktueller Verfahren im Themenfeld KI veröffentlicht:

Wahrheit oder Lüge

Poverty Porn – synthetische Tränen, echte Spenden

Christoph Künne berichtet in seinem DOCMA-Blog über »die perfektionierte Inszenierung des Elends«. The Guardian berichtete zuerst, dass Hilfsorganisationen vermehrt auf KI-generierte Bilder zurückgreifen, um für ihre Anliegen zu werben. Künne dazu: »Damit betreten sie ein ethisches Minenfeld, das die Grundfesten der visuellen Kommunikation erschüttert.«

91% der US-Zeitungen verschweigen KI-Einsatz

Telepolis schreibt über eine aktuelle Untersuchung der University of Maryland, die den Einsatz von künstliche Intelligenz bei US-Zeitungen analysiert hat.
»Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei Meinungsbeiträgen renommierter Zeitungen. Die Wissenschaftler untersuchten 45.000 Meinungsartikel der New York Times, der Washington Post und des Wall Street Journal. Zwischen Juni und September 2025 enthielten 4,56 Prozent dieser Texte KI-generierte Inhalte – 6,4-mal mehr als zeitgleich erschienene Nachrichtenartikel derselben Blätter.«

Youtube gegen Deepfakes

Das neue Likeness-Detection-Tool soll automatisch KI-generierte Darstellungen des Abbilds einer Person, also Identitätsmissbrauch, erkennen. So sollen Deepfakes einfacher identifiziert und entfernt werden können. Dabei durchsucht das Tool die Plattform nach Videos, die möglicherweise das Gesicht eines/einer registrierten Nutzers/Nutzerin enthalten, und markiert diese zur weiteren Überprüfung. Dafür braucht YouTube nichts weiter als den Ausweis oder Führerscheins und ein kurzes Video vom Gesicht der Person aus mehreren Perspektiven. Irgendwas ist ja immer. Leider garantiert Google nicht, dass alle markierten Inhalte entfernt werden. Es sollen hier wohl in erster Linie Creator*innen geschützt werden. 

Pinterest gegen »AI-Slop«

Pinterest hat Maßnahmen gegen »AI-Slop« ergriffen: Benutzer*innen können begrenzen, wie viele KI-generierte Inhalte sie auf der Plattform sehen.
Feeds können jetzt personalisieren, um generative KI-Bilder in ausgewählten Kategorien einzuschränken. Pinteres teilte außerdem mit, dass es KI-Inhalte in Zukunft deutlicher machen wird.
Das ist ja ein schöner Ansatz und es wird natürlich interessant, wieviele Nutzer*innen davon Gebrauch machen, aber am Ende muss der KI-generierter Inhalt natürlich erstmal sicher erkannt werden.

Deezer Studie: 97% erkennen KI-Musik nicht

Die Musikplattform Deezer und das Marktforschungsinstitut Ipsos haben in einer Studie, durchgeführt in 8 Ländern mit 9000 Personen, festgestellt, dass es eine überwältigende Unterstützung für die Kennzeichnung von 100 % KI-generierter Musik, Widerstand gegen Urheberrechtsverletzungen und Bedenken hinsichtlich des Lebensunterhalts von Künstler*innen gibt.
In der Studie wurden alle Teilnehmer*innen gebeten, sich drei Tracks anzuhören und festzustellen, ob sie vollständig KI-generiert waren oder nicht - 97 % der Befragten scheiterten. Eine Mehrheit (71 %) der Befragten war von diesen Ergebnissen überrascht und mehr als die Hälfte (52 %) fühlte sich unwohl, weil sie den Unterschied nicht erkennen konnten.
Deezer teile auch mit, dass aktuell rund 50.000 vollständig KI-generierte Tracks auf die Plattform hochgeladen werden, was 34 % aller täglichen Lieferungen entspricht.

Podcast

Was macht ein authentisches Foto aus?

Ein interessanter Podcast mit Peter Bialobrzeski zu Content Credentials (C2PA). Peter sieht das eher kritisch, ich hingegen bin schon der Meinung, dass die Initiativen C2PA & CAI für digitale Authentizität zwar nicht jede Frage zur Authentizität lösen, aber in einer Zeit, in der sich ein fotorealistisches Bild auch von Lai*innen herstellen lässt, doch sehr viel besser ist als nichts. Man muss so einer Technologie auch etwas Zeit geben, sich zu etablieren. Noch haben nur sehr wenige Kameras die technischen Voraussetzungen Content Credentials zu speichern. Aber das wird sich ändern und ich hoffe, dass das zum Standard für dokumentarische Fotografie wird.

AG Fortschritt Deutscher Fotorat

Auch diesen Monat gibt es wieder einen Podcast mit Dr. Jürgen Scriba und Boris Eldagsen

Thema im November ist die Veränderung der Bildagentur-Landschaft durch KI. Gast ist Alexander Karst, Geschäftsführer von »Die Bildbeschaffer« und Berater für »Bildrecherche, Bildeinkauf, Bildrechte, Lizenzierung und Archivierung.«  Jürgen und Boris sprechen mit ihm über den Wandel der letzten Jahre und was KI für Bildagenturen und Bildberater*innen bedeutet. Dazu gibt es einen umfassenden Rückblick auf alle Neuerungen bei KI-Bild und Videomodellen - und ein Special zum Thema »Prompt-Editing«.

Fernseh-/ Streaming-Tip

Arte zu KI

Arte hat (mindestens) zwei sehr interessante Dokus zur KI im Programm:

Der digitale Tsunami

»Wie verändert sich unsere Welt, wenn KI Entscheidungen über Leben und Tod trifft, Maschinen uns beraten und Kinder mit Bildschirmen groß werden? Der Dokumentarfilm zeigt die Umbrüche der digitalen Revolution – mit all ihren gesellschaftlichen, psychologischen und politischen Konsequenzen.«

KI: Der Tod des Internets

Das Internet wird überschwemmt von KI-generiertem Müll. Automatisierte Bots produzieren eine Flut aus KI-generierten Inhalten, der das Internet zu ersticken droht. Der Wissensraum wird mit Desinformation, Propaganda und synthetischen Bildern und Tönen geflutet. Werden wir bald nur noch Informationen bekommen, mit der die KI uns füttert? 

Technik

Adobe integriert externe KI-Generatoren in Photoshop

The decoder berichtet, dass Adobe auf der Adobe MAX 2025 dialogorientierte KI-Assistenten für Photoshop, Express und Firefly vorstellt. Zudem können Nutzer*innen zwischen Dutzenden KI-Modellen von Partnern wie Google, OpenAI und Runway wählen.

Drei von vier Fotograf*innen nutzen KI

Wenig erstaunlich, ich hätte eher gedacht, es sind 100%. Vielleicht eine Frage der Definition, wie Kolleg*innen auf die Umfrage von Saal Digital antworteten:

KI-Bilder werden immer gelber

Robert Kneschke stellt in seinem Blog »Alltag eines Fotoproduzenten« fest, dass KI-Bilder immer gelber werden und erklärt, was das über die Zukunft der KI verrät.

Markt

KI schafft kreatives Prekariat – oder ersetzt seine eigenen Schöpfer*innen

Christoph Künne von DOCMA schreibt über einen Artikel im britischen Guardian, welcher wiederum von einem Artikel im New Yorker berichtet, laut dem Künstliche Intelligenz eine neue Unterschicht, ein »permanentes Prekariat« aus Kreativschaffenden erschaffe, deren über Jahre verfeinerte Fähigkeiten von Algorithmen entwertet würden. 
Leopold Aschenbrenner, ein Mitarbeiter von OpenAI, behauptete demnach, dass KI bis 2027 »die menschlichen Fähigkeiten erreichen oder übertreffen« würde. Sobald sie die Fähigkeit zur Innovation entwickelt habe, würde die KI-Superintelligenz sogar den Bedarf an ihren eigenen Programmierer*innen überflüssig machen ... und dann die Arbeitsplätze aller anderen vernichten.
Fotograf*innen, Bildbearbeiter*innen und Autor*innen seien die Ersten an der digitalen Schlachtbank. Die wahrhaft Ersetzbaren seien möglicherweise am Ende aber jene, die uns heute mit messianischem Eifer die neue KI-Welt erklären – die Tech-Elite der KI-Revolution selbst. 
Die Autorin des Guardian Artikels, Van Badham, zeigt auf, wie sich Arbeitnehmer*innen in der Vergangenheit immer wieder erfolgreich zu Wehr setzten und verweist auf die Geschäftsmodelle der KI-Firmen, die wenig Nachhaltig sind.
Künne zeigt drei andere Wege aus der Ersetzbarkeit auf:
1. Die Flucht ins Unberechenbare: Authentizität als Währung
2. Die Domestizierung des Algorithmus
3. Kreative als Systemintegrator
Interessant, aber wie die Sache ausgeht, werden wir wohl abwarten müssen.

Rechenmaximalismus der KI-Branche eine Illusion?

Miriam Meckel zeigt, warum der Rechenmaximalismus des Silicon Valley - je mehr Chips, Server und Daten, desto besser die KI - eine gefährliche Illusion ist.
Kluger Beitrag aus der Kolumne von Miriam Meckel, in der sie mit schöner Regelmäßigkeit den KI-Hype widerlegt.

Studie »Verlagstrends 2025: Effizienz, Glaubwürdigkeit und „Trusted AI««

Landau Media vermeldet: Die neue Studie »Verlagstrends 2025: Trusted AI – KI zwischen Automatisierung, Authentizität und Akzeptanz« des Medienverbands der freien Presse (MVFP), in Kooperation mit KPMG und Prof. Dr. Thomas Hess von der LMU München, zeigt: Automatisierung, Prozessoptimierung und verantwortungsvoller Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) sind die zentralen Bausteine der Verlagsstrategien. Automatisierung wird mit 80 Prozent als wichtigster Megatrend ausgemacht. 
Unser Fotorats-Roundtable mit Redaktionen hat allerdings ergeben, dass es kaum echte Konzepte zum Umgang mit KI-generierten Bildern gibt. 
Wir sind mit unserer aktuellen Stellungnahme ganz bei Katja Modder von KPMG. Sie betont, dass der vertrauensvolle Einsatz von KI eine klare Kommunikation und ethische Verantwortung erfordert, um Kreativität zu fördern, Integrität zu wahren und die Glaubwürdigkeit professioneller Medien zu schützen. Sie erklärt, dass Verlage sicherstellen sollten, dass alle Beschäftigten über Funktionsweise und Entscheidungsprozesse der KI informiert sind. Gleichzeitig brauche es klare ethische Richtlinien, die Vielfalt und Kreativität erlauben, aber unkontrollierten KI-Einsatz begrenzen und Missbrauch verhindern. 

KI-gestützte Newsletter erobern ländliche Medienlandschaften

IT BOLTWISE berichtet über »Spatz«, einem Medien-Startup aus Zürich, dass KI nutzt, um ländliche Zeitungswüsten zu beleben. Mit dem Projekt  werden KI-gestützte Newsletter erstellt, die lokale Nachrichten effizient und zielgerichtet verbreiten. 

Der Spiegel hat sehr ausführlich über ein tatsächlich tolles Beispiel der Nutzung von KI im Journalismus berichtet, die Zeitung »iTromsø«, ein kleines Blatt mit 25.000 Lesern, das auf der norwegischen Insel Tromsøya. Hier wird eine eigene KI sehr erfolgreich als Recherchetool genutzt. 

Über diesen Link können die ersten Zehn, den Artikel hinter der Paywall kostenlos lesen:

Getty Images lizenziert Bilder für KI-Training an Perplexity 

Retail News berichtet: »Getty Images und die KI-Plattform Perplexity haben eine mehrjährige Partnerschaft vereinbart. Künftig nutzt Perplexity lizenzierte Bilder von Getty Images zur visuellen Anreicherung seiner Suchergebnisse – inklusive verbesserter Bild-Attribution. Die Kooperation zielt auf mehr Transparenz und rechtssicheren Umgang mit Bildmaterial in KI-Anwendungen ab.«

Schauspieler lizensieren ihre Stimmen

Es war ja klar, dass trotz aller Gegenwehr durch Hollywood die Mauer doch irgendwann fallen würde. Und es ist wenig verwunderlich, dass Matthew McConaughey einer der ersten ist, der seine Stimme lizensiert, weil er nämlich an dem KI-Unternehmen ElevenLabs beteiligt ist. Außerdem findet er bestimmt toll, dass er jetzt auch spanisch spricht, ohne es je gelernt zu haben. Wer ist Matthew McConaughey? Er hat in wirklich vielen Filmen mitgespielt, von denen ich keinen einzigen gesehen habe. Von »Sex in the City« habe ich immerhin schon mal gehört (dort spielt er sich selbst). Aber Filme mit Michael Cain haben wir alle schon gesehen. Der hat seine Stimme auch lizensiert. Auch die Stimme von John Wayne kann man kaufen. Der kann sie eigentlich nicht lizensiert haben, er ist 1979 gestorben. Aber vielleicht ist sie ja genau deshalb im Portfolio von ElevenLabs. 

Morgan Freeman sieht das offenbar anders, in einem Interview mit »The Guardian» zeigte er sich wenig erfreut über die zunehmende Verbreitung von KI-generierten Stimmen »Ich bin sauer«. Er lässt zahlreiche Fälle der unrechtmäßigen Verwendung seiner Stimme rechtlich verfolgen.

Für Rückfragen zum KI Newsletter: mail@marco-urban.de | Marco Urban — Vorstandsvorsitzender

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