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KI Newsletter # 26 – Juni 2026

Liebe FREELENS-Mitglieder, liebe Interessierte,

sehr geehrte Leser*innen,

jetzt sind so ziemlich alle Katzen aus dem Sack: Der »Code of Practice on Transparency of AI-Generated Content« (CoP) liegt nun final vor, muss aber noch von EU-Kommission und AI Board abgesegnet werden. An einer ergänzenden Guideline der EU-Kommission, die vor allem näher erläutern soll, was nun genau der zu kennzeichnende Deepfake ist, sind noch kleine Änderungen denkbar – Jürgen Scriba ist als Leiter der AG Fortschritt im Fotorat im direkten Austausch mit dem AI Office.

Dagmar Schwelle und ich werden zügig einen Leitfaden dazu entwickeln, was ab 2. August gekennzeichnet werden muss. Spoiler: So ziemlich jedes Foto oder Bild, das mit KI geniert oder bearbeitet wird und das für ein authentisches Foto gehalten werden kann  (außer es geht nur um Standardbearbeitung wie z. B. Rauschreduktion) muss gekennzeichnet werden. Außerdem arbeiten wir zusammen mit dem Fotorat an einer politischen Stellungnahme und es gibt ein Spezial der KI-Podcasts des Fotorates dazu, in dem ich auch ein bisschen spekulieren darf (siehe unten).

Wir dürfen sehr gespannt sein, was das für KI-Bilder in der Werbung bedeutet, die ja in der letzten Zeit massenhaft zu sehen waren. Sie müssen künftig jedenfalls durch jene, die sie prompten, sichtbar gekennzeichnet werden. Diese strenge Regelung mag einige nerven, aber möglicherweise hilft sie dabei, unsere Jobs zu sichern. Denn da KI-Label Bilder stigmatisieren, könnte der Wert echter Fotografie wieder steigen.

Eine weitere Stellungnahme haben wir nun auch zum dritten (oder vierten?) Mal zur Evaluierung der DSM-Richtlinie eingereicht, die ja unter anderem auch die Text-und-Data-Mining-Schranke einführte.

Es bleibt also spannend!

Viel Spaß beim Lesen und schon mal einen schönen Sommer

Marco

 

P.S.: Feedback gerne an mich: marco.urban@freelens.com

P.P.S.: Man kann den Newsletter hier abonnieren:  KI-Newsletter

P.P.P.S.: Ich nutze KI für diesen Newsletter ziemlich umfangreich: Um Texte für mich zusammenzufassen, zu übersetzen, um weiter zu recherchieren und manchmal auch, um Texte zu entwerfen. Anders ist das hier nicht zu stemmen.

Politik

BVPA veröffentlicht Positionspapier »Vertrauen in visuelle Informationen«

Der Bundesverband professioneller Bildanbieter, BVPA, die Dachorganisation der Bildagenturen, hat eine Stellungnahme zur Frage von Authentizität und KI-generierte Bilder veröffentlicht.

Um es vorwegzunehmen: Ich bin ein bisschen enttäuscht.

Und ich nehme das hier als Gelegenheit für einen persönlichen Kommentar.

Das Problem wird zwar erkannt, durch KI-Bilder ist die Reputation von Fotografien als Nachweis der Wirklichkeit in Gefahr. Wenn Fotografien nicht mehr glaubwürdig sind, sind sie nicht mehr als Illustrationen.

Aber klare Ansagen, dass die Bildagenturen zukünftig Verantwortung für die Authentizität dessen übernehmen, was sie an ihre Kund*innen liefern, gibt es nicht.

Erstens, zweitens, drittens … Bildagenturen wollen sorgfältig sein und technische Möglichkeiten nutzen (klingt nach »Best efforts« wie im CoP), können aber nicht garantieren, dass die Bilder, die sie vertreiben, auch wirklich echt sind. Die Qualitätssicherung soll auch von den Kund*innen, als den Bildredaktionen, übernommen werden. Weiter werden Standards zur Authentizitätssicherung begrüßt, aber es wird auch darauf hingewiesen, dass hierfür wirtschaftliche Ressourcen nötig sind.

Dafür soll der Dialog gesucht werden mit den Bildverwender*innen und auch mit uns, FREELENS und dem Fotorat. Das ist gut, es ist sehr wichtig, dass wir gemeinsam Lösungen finden.

Warum ich nun ein bisschen enttäuscht bin: Ich habe (in meinem unendlichen Optimismus) gehofft, dass die Bildagenturen diesen Umbruch nutzen, um sich von einem Massegeschäft zu verabschieden, bei dem gerade in der Zusammenarbeit über Ketten von ausländischen Agenturen nicht mehr klar ist, wer die Fotos tatsächlich gemacht hat und wie. Fotos werden von Agentur zu Agentur durchgereicht, alle bieten alles allen an und das einzige verbliebende Kriterium ist der Preis.

Klüger wäre vielleicht, die Anzahl der Fotos, die auf den Markt geworfen werden, mal zu reduzieren, exklusivere Partnerschaften anzustreben und dafür sicherzustellen, dass sie aus vertrauenswürdigen Quellen stammen. Entweder, weil man die Fotograf*innen persönlich kennt, oder weil man intensiven Kontakt mit Partneragenturen im Ausland pflegt, die wiederum ihre Fotograf*innen gut kennen. Bei endlosen Verwertungsketten ist das nicht möglich. Den Mut, Ihr Geschäftsmodell zu ändern, haben die Bildagenturen aber offenbar, zumindest in Ihrer Gesamtheit, nicht.

Das könnte darauf hinauslaufen, dass Bildredaktionen seriöser Medien sich eher an Nachrichtenagenturen (und Fotograf*innen-Agenturen wie LAIF oder Ostkreuz) halten, die die Authentizität Ihrer Bilder sicherstellen. Symbolfotos hingegen, werden sich Kund*innen aus dem nicht-redaktionellen Bereich vielleicht zukünftig selbst generieren. Die Kennzeichnungspflicht muss kein Hinderungsgrund sein, ich sehe z.B. immer mehr Symbolbilder in Form von Cartoons, die nicht gekennzeichnet werden müssen.

Bildagenturen sind wichtige Partner für Fotograf*innen, um deren Bilder zu vertreiben. Dabei haben sie aber, neben der Bereitstellung, zwei weitere Aufgaben: Es müssen für Fotograf*innen faire und auskömmliche Honorare erwirtschaftet werden und die Herkunft der Bilder, auch die technische, muss dem Kunden/der Kundin gegenüber klar nachgewiesen werden können. Das letztere ist ein neues Qualitätskriterium.

Die Bildagenturen müssen – zumindest für journalistische Bilder - Echtheitszertifikate von Ihren Lieferant*innen einfordern. Fotograf*innen müssen sauber arbeiten und klar kennzeichnen. Medien dürfen keine KI-Bilder oder KI manipulierte Fotos im redaktionellen Kontext nutzen. Der Staat bzw. die EU müssen für entsprechende technische Standards sorgen.

Nur so kann eine Fotografie auch zukünftig noch als Beweis gesehen werden.

(BVPA, 26.06.2026): https://bvpa.org/wp-c0nt3nt5/up10ad5/2026/06/Positionspapier_KI_Manipulierte_Bilder_in_Presse_2026-06-24-1.pdf

Interessant ist in dem Zusammenhang auch ein Artikel von Paul Melcher. Er warnt davor, dass nicht spektakuläre Deepfakes die größte Gefahr für die Fotografie darstellen, sondern der schleichende Ersatz authentischer Pressebilder durch KI-generierte Illustrationen. Dadurch gehe nach und nach die Erwartung verloren, dass Nachrichtenbilder reale Ereignisse dokumentieren. Die eigentliche Herausforderung sei daher nicht nur die Kennzeichnung von KI-Inhalten, sondern der Erhalt des Werts authentischer Fotografie als glaubwürdiges Zeugnis der Wirklichkeit.

(Kaptur.co, 16.06.2026): https://kaptur.co/the-quiet-erosion-what-are-we-willing-to-lose/

Wir werden sehen, ob wir das alle zusammen schaffen. Ich hoffe es sehr.

Papst fordert Entwaffnung der KI

Alle reden über KI, sogar der Papst. Papst Leo XIV. hat ihr seine Enzyklika gewidmet, ein Brief an weltweit 1,42 Milliarden Katholikinnen und Katholiken.

Der Titel lautet »Magnifica humanitas (großartige Menschlichkeit): Über den Schutz der menschlichen Person in Zeiten der künstlichen Intelligenz«.

Graham Lovelace hat die wichtigsten Punkte und Zitate zusammengefasst:

KI FÖRDERT MACHTUNGLEICHGEWICHT

»Diese Akteure (die KI-Unternehmen) legen faktisch die Zugangsbedingungen fest, bestimmen die Regeln der Sichtbarkeit und gestalten die Möglichkeiten der Teilhabe. Wenn solche Macht in den Händen einiger weniger konzentriert ist, neigt sie dazu, undurchsichtig zu werden und sich der öffentlichen Kontrolle zu entziehen, was das Risiko verzerrter Entwicklungsformen erhöht, die neue Abhängigkeiten, Ausgrenzungen, Manipulationen und Ungleichheiten hervorrufen.«

KI IST NICHT MENSCHLICH

Auch wenn KI intelligent zu sein scheint, »müssen wir das Missverständnis vermeiden, diese Art von ‚Intelligenz‘ mit der von Menschen gleichzusetzen«. Künstliche Intelligenzen »machen keine Erfahrungen, besitzen keinen Körper, empfinden weder Freude noch Schmerz, reifen nicht durch Beziehungen und wissen nicht aus eigenem Erleben, was Liebe, Arbeit, Freundschaft oder Verantwortung bedeuten«.

»Sie haben auch kein moralisches Gewissen, da sie nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden, den tieferen Sinn von Situationen nicht erfassen und keine Verantwortung für die Folgen tragen. Sie mögen Sprache, Verhalten und analytische Fähigkeiten imitieren oder sogar Empathie und Verständnis simulieren, aber sie verstehen nicht, was sie hervorbringen, denn ihnen fehlt die affektive, relationale und spirituelle Perspektive, durch die Menschen an Weisheit gewinnen.«

Und wenn Werkzeuge als »lernfähig« beschrieben werden, ist ihre »Art und Weise, dies zu tun, eine andere als die eines Menschen«.

KI-BEGLEITER

»Wenn Worte simuliert werden, bauen sie keine echten Beziehungen auf, sondern nur deren Schein. Die künstliche Nachahmung von Fürsorge oder Unterstützung kann besonders riskant werden, wenn sie in Kontexte gelangt, in denen echte Beziehungen und emotionale Bindungen fehlen. Hier besteht die Gefahr nicht so sehr darin, dass eine Person glaubt, mit einer anderen Person zu kommunizieren, sondern vielmehr darin, dass sie allmählich den Wunsch verliert, echte menschliche Beziehungen aufzubauen.«

UMWELTSCHÄDEN

»Mit zunehmender Komplexität, insbesondere bei großen Sprachmodellen (LLMs), wächst auch der Bedarf an Rechenleistung und Speicherkapazität, was ein umfangreiches Netzwerk aus Maschinen, Kabeln, Rechenzentren und energieintensiver Infrastruktur erfordert. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, nachhaltigere technologische Lösungen zu entwickeln, die die Umweltbelastung verringern und zum Schutz unseres gemeinsamen Zuhauses beitragen.«

MANGEL AN TRANSPARENZ UND VERANTWORTUNG

»In vielen Fällen bleiben die internen Prozesse, die zu einem Ergebnis führen, jedoch undurchsichtig, was es erschwert, Verantwortung zuzuweisen und Fehler zu korrigieren. Hier kommt der Rechenschaftspflicht entscheidende Bedeutung zu: der Möglichkeit, festzustellen, wer für Entscheidungen ‚Rechenschaft ablegen‘ muss, sie zu begründen, zu überwachen und, falls nötig, in Frage zu stellen und entstandenen Schaden zu beheben.«

KI-AUFSICHT

Die Forderung nach »Umsicht, strenger Bewertung und manchmal sogar einem langsameren Tempo bei der Einführung von KI« sollte nicht als Widerstand gegen den Fortschritt interpretiert werden. »Vielmehr ist es ein Ausdruck verantwortungsvoller Fürsorge für die Menschheitsfamilie«. Was ist erforderlich? »Solide rechtliche Rahmenbedingungen, unabhängige Aufsicht, informierte Nutzer und ein politisches System, das seine Verantwortung nicht aufgibt, [wenn] dies erforderlich ist.«

»Andernfalls wird der Wandel nur von technokratischem Denken bestimmt und als notwendig und unvermeidlich dargestellt, was letztlich dazu führt, dass Regeln auferlegt werden, die von denen geprägt sind, die Daten, Infrastruktur und Rechenleistung kontrollieren.«

ENTWAFFUNG DER KI

Papst Leo fordert ein Ende des Wettrüstens, das »vom Wunsch nach geopolitischer oder kommerzieller Vorherrschaft angetrieben wird«. Die Entwaffnung der KI bedeutet auch, »die Annahme zu entkräften, dass technische Macht automatisch das Recht zu herrschen verleiht«.

»Entwaffnen bedeutet nicht, Technologie abzulehnen, sondern zu verhindern, dass sie die Menschheit beherrscht. Es bedeutet, Technologie von monopolistischer Kontrolle zu befreien und sie für Diskussion und Debatte zu öffnen, sie dadurch menschenfreundlich zu gestalten und sie wieder in die Vielfalt menschlicher Kulturen und Lebensweisen einzubinden.«

Daher reicht es nicht aus, KI zu regulieren. »Sie muss entwaffnet, einladend und zugänglich sein«, sagt er.

Ich bin kein Katholik, aber: so weit so sicherlich richtig. 

Was ich vermisse, ist ein Hinweis auf dem milliardenfachen Diebstahl kreativer Werke für das Training der KI. Immerhin lautet das siebte Gebot: Du sollst nicht stehlen. Aber man kann halt nicht alles haben. Nicht mal vom Papst.

(Graham Lovelace, 29.05.2026): https://grahamlovelace.substack.com/i/199054829/also-this-week

(Deutsche Welle, 25.05.2026): https://www.dw.com/de/enzyklika-papst-leo-xiv-kuenstliche-intelligenz-ki-muss-entwaffnet-werden-schutz-des-menschen-ethik/a-77287134

 

Gouverneur von Kalifornien prüft Schutz von Arbeitnehmer*innen

Mit dem, was der Papst fordert, macht der US-Demokrat Gavin Newsom längst Wahlkampf – ausgerechnet als Gouverneur in Kalifornien, also in der Herzkammer des US-KI-Booms. Newsom lässt prüfen, wie Arbeitnehmer*innen besser vor den KI-Folgen am Arbeitsmarkt geschützt werden können. Er denkt über den Ausbau staatlich subventionierter Beschäftigungsprogramme, umfangreiche Umschulungen für Büroangestellte sowie ein Grundeinkommen, das allen Einwohnerinnen und Einwohnern Beteiligungen an Vermögenswerten wie Unternehmensaktien ermöglicht nach.

Die klassische Arbeitslosenversicherung werde angesichts der KI-Folgen für den Arbeitsmarkt nicht ausreichen, sagt der Demokrat. »Dieser Moment verlangt, dass wir das gesamte System neu entwerfen, wie wir arbeiten, wie wir regieren, wie wir Menschen auf die Zukunft vorbereiten«, heißt es auf der Internetseite des Gouverneurs. Und er wünscht sich, dass alle (Behörden, Fachleute, Unternehmen) an Antworten und Ideen mitarbeiten sollen.

Aus der Deutschen und Europäischen Politik war dazu ja auch lange nichts zu hören. Es ging immer nur darum, den Fortschritt zu fördern und ihm bloß nicht, z.B. mit dem Thema Urheberrechte, im Weg zu stehen. Inzwischen hat sich das geändert. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) sagte Ende März (ich berichtete), »dass ein bedingungsloses Grundeinkommen ein Teil der Lösung werden kann, um die Umwälzungen am Arbeitsmarkt aufzufangen«. Aber ausreichen werde das nicht, betonte Wildberger, weil es keine sinnstiftende Tätigkeit ersetze. Womit wir möglicherweise wieder bei Newsoms Beschäftigungsprogrammen wären.

https://www.gov.ca.gov/2026/05/21/governor-newsom-signs-first-of-its-kind-executive-order-to-prepare-workers-and-businesses-for-potential-ai-disruption

 

Trump und Sanders: Einkaufen oder Teilenteignen?

Donald Trump und Demokrat Bernie Sanders haben ähnliche Ideen, um die Bevölkerung an den Gewinnen der KI-Unternehmen zu beteiligen. Trump möchte, dass die Regierung Anteile erwirbt, Sanders schreibt, dass die amerikanische Bevölkerung eine direkte Eigentumsbeteiligung an den großen KI-Unternehmen erhalten soll. Seine geplante Gesetzesinitiative, der »American AI Sovereign Wealth Fund Act«, würde einen Staatsfonds schaffen, der 50 Prozent der Anteile großer KI-Unternehmen hält. Anders als Trump möchte Sanders die Anteile aber nicht kaufen, sondern der Staatsfonds soll durch eine einmalige Abgabe finanziert werden, im Rahmen derer große KI-Unternehmen nicht Geld, sondern Unternehmensanteile in den Fonds einbringen würden. Wenn damit das -  wie er schreibt -  »kollektive Wissen der Menschheit« abgegolten werden soll, dann scheint mir das eine sehr schlechte Idee zu sein. Die Urheberrechte würden damit in gewisser Weise kollektiviert werden. Konsequent wäre, mit dem Staatsfonds die Arbeit der Kreativen zu finanzieren. 

Eine Frage hätte ich dazu: Was wird aus den Menschen, deren Jobs von der KI vernichtet werden, die aber nicht dort leben, wo die Gewinne abgeschöpft werden? Ich vermute mal dass weder Trump noch Sanders die gesamten Weltbevölkerung an der Wertschöpfung der KI-Unternehmen teilhaben lassen wollen.

(NOTUS, 05.06.2026): https://www.notus.org/technology/trump-tech-companies-federal-intervention-public

(Bernie Sanders, 01.06.2026) https://www.sanders.senate.gov/op-eds/the-public-should-own-half-of-the-big-a-i-companies/

Interessant finde ich einen weitergehenden Ansatz: Sollte KI künftig nicht wie eine strategische Infrastruktur oder sogar teilweise wie eine öffentliche Versorgungsleistung behandelt werden? Die Nachrichtenagentur Reuters fragt »Will AI become a public utility?«. Dort wird argumentiert, dass KI ähnlich bedeutsam werden könnte wie Stromnetze, Telekommunikation oder Eisenbahnen in früheren Epochen. Die Frage sei deshalb nicht nur, wie KI reguliert wird, sondern ob bestimmte KI-Infrastrukturen künftig als öffentliche Daseinsvorsorge behandelt werden sollten. Der Artikel ist leider hinter der Paywall (https://www.reuters.com/commentary/reuters-open-interest/automatic-people-ai-public-utility-2026-06-09/)

Auch Wissenschaftler*innen argumentieren auf arxiv.org, dass Staaten eigene »sovereign AI«-Infrastrukturen aufbauen sollten, statt sich auf wenige private Anbieter zu verlassen. Diese Debatte schließt an die europäischen Diskussionen über digitale Souveränität an: KI als öffentliche Infrastruktur, vergleichbar mit öffentlichen Forschungsinstituten oder Rundfunkanstalten.

(arxiv.org, 02.03.2026): https://arxiv.org/abs/2603.01869

Auf jeden Fall sind plötzlich eine Menge neue Ideen auf dem Tisch. Es scheint nicht mehr selbstverständlich, dass KI-Unternehmen sich einfach alles einverleiben.

Podcast

Pixel und Protonen vom Deutschen Fotorat

Pixel und Protonen mit Dr. Jürgen Scriba und Boris Eldagsen darf ich hier gleich mit zwei Folgen ankündigen:

Folge 17: Von Ansel Adams zu Google Omni

Die neuen EU-Guidelines machen Deepfake- und Transparenzpflichten etwas klarer und wir geben einen ersten Überblick. Als Beispiel für die ethische Grauzone dient die KI-kolorierte Version von Ansel Adams Foto »Moonrise« durch James Danziger: juristisch wohl erlaubt, künstlerisch aber als geschmacklose Verfälschung kritisiert. Im Kontrast dazu: Die KI-Verjüngung bei den Rolling Stones, diesmal mit Zustimmung der Künstler. Jürgen und Boris besprechen neue Bild- und Videomodelle, Googles »Omni«, steigende KI-Kosten und neue Maßnahmen zur Deepfake-Erkennung: Seedance lockert sichtbare Labels, YouTube und OpenAI bauen Detektoren aus, doch wirklich verlässliche, unabhängige Prüfverfahren fehlen weiterhin.

YouTube: https://youtu.be/f7wxTjCz8lI?si=0xIRT3gufHwj9tDr

Spotify: https://open.spotify.com/episode/3b9qgROZccMNYe8Ew5jRvm?si=74d034e6c8404770

Apple Podcasts: https://podcasts.apple.com/de/podcast/17-von-ansel-adams-zu-google-omni/id1883987339?i=1000774493074

Und ein SPEZIAL zur EU-Regulierung: Sind alle fotorealistischen KI-Bilder Deepfakes? 

Die Spezialfolge zum EU-AI-Act, dem neuen »Code of Practice« und den neuen EU-Guidelines. Zu Gast sind Alexandra Lechner (BFF, DGPh, Female Fotoclub), BFF-Justiziarin Dorothe Lanc und meine Wenigkeit für FREELENS. Jürgen und Boris diskutieren mit ihren Gästen, was künftig als Deepfake gilt und wie KI-generierte oder KI-veränderte Inhalte gekennzeichnet werden müssen. Wir versuchen zu klären, was das für Fotografierende, Bildbearbeitung, Werbung und Journalismus bedeutet.

YouTube: https://youtu.be/30uasDnw3xU?si=aYolj7NYs_IWRoQA

Spotify: https://open.spotify.com/episode/26Ezby2QKiB0i7K0BmSzTC?si=322a0a5ba123413e

Apple Podcasts: https://podcasts.apple.com/de/podcast/spezial-eu-regulierung-sind-alle-fotorealistischen/id1883987339?i=1000774494153

kreativ[ge]recht von Sebastian Deubelli

Urheberrechtsanwalt Sebastian Deubelli spricht mit Dr. Christina Oelke von VAUNET über Urheberrecht, Medienregulierung und die großen Herausforderungen der Kreativ- und Medienwirtschaft im KI-Zeitalter.

Dr. Christina Oelke ist Deputy Legal Counsel des VAUNET – Verband Privater Medien e. V. und beschäftigt sich dort unter anderem mit Urheberrecht, Kartellrecht, Plattformregulierung, Digital Markets Act, KI-Regulierung und Pirateriebekämpfung.

Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die Frage, wie Kreative, Rechteinhaber*innen und Medienunternehmen mit den aktuellen Entwicklungen rund um das Thema KI umgehen können. Es geht um Transparenzpflichten im EU AI Act, den Code of Practice, Trainingsdaten, die Rolle der Rechtsprechung und darüber, warum Urheberrecht gerade jetzt nicht weniger, sondern mehr Bedeutung bekommt.

Darüber hinaus geht es um die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Kreativwirtschaft, um Medienvielfalt, journalistische Standards, Plattformmacht, den Umgang mit Big Tech und die Frage, wie private Medien auch in Zukunft refinanziert werden können.

https://deubelli.libsyn.com/ber-ki-plattformmacht-und-medienvielfalt-mit-dr-christina-oelke

Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/kreativ-ge-recht/id1203778888?i=1000766422048

Recht

RECHT – Model klagt gegen Nutzung eines KI-Klons

Das New Yorker Model Francheska Pujols verklagte den Modehändler Rainbow USA, weil dieser aus einem regulären Fotoshooting digitale KI-Klone ihrer Person erstellt hat. Während die ursprünglichen Aufnahmen sie vor neutralem Hintergrund in zurückhaltenden Posen zeigten, erschienen später Werbeanzeigen, in denen eine KI-generierte Version ihres Abbilds in völlig anderen, teils stark sexualisierten Szenen dargestellt wurde. Sie sagt, dass sie diesen Nutzungen nie zugestimmt hätte.  

Besonders problematisch sei gewesen, dass ihr Vertrag nur übliche Bildbearbeitungen wie Zuschnitte oder stilistische Anpassungen erlaubte. Die Erzeugung komplett neuer Bilder mittels KI sei davon nicht gedeckt gewesen. Zudem seien die Anzeigen teilweise noch nach Ablauf des Vertrags weiterverwendet worden. Pujols argumentierte, die Darstellungen schadeten ihrem Ruf als hochwertiges Fashion-Model und nähmen ihr potenzielle Lizenzvergütungen.  

Kurz nach Einreichung der Klage zog Pujols das Verfahren jedoch wieder zurück, man will sich außergerichtlich einigen.

Expert*innen sehen in dem Fall ein Beispiel für die rechtlichen Grauzonen, die durch KI-generierte Abbilder entstehen. In New York tritt inzwischen ein Gesetz in Kraft, das für die Erstellung digitaler Repliken von Models eine ausdrückliche schriftliche Zustimmung verlangt. Branchenvertreter*innen befürchten zugleich, dass KI insbesondere im Massenmarkt viele klassische Katalog- und Werbemodels verdrängen könnte.

(New York Post, 30.05.2026): https://nypost.com/2026/05/30/us-news/nyc-model-allegedly-cloned-for-outrageous-unauthorized-ai-ads-by-brazen-clothing-retailer-lawsuit/

 

Wahrheit oder Lüge

Bild-Forensiker Farid an der Grenze

Über zwanzig Jahre lang war Hany Farid die Instanz, an die sich Gerichte, Medien und Behörden wandten, wenn die Echtheit eines Bildes oder Videos auf dem Spiel stand. Heute ist er gefragter denn je, doch er stößt an seine Grenzen. Die neue Generation von KI-generierten Bildern und Videos ist so überzeugend geworden, dass der wohl bekannteste Deepfake-Jäger der Welt seinem eigenen Urteil immer weniger vertraut. Die Geschichte erzählt nicht nur vom Wettlauf zwischen Fälscher*innen und Forensiker*innen, sondern von einer viel größeren Frage: Was passiert mit einer Gesellschaft, wenn selbst Expert*innen nicht mehr sicher sagen können, was real ist? Eine wunderbar beobachtete und geschriebene Geschichte mit tollen Fotos in der New York Times. (Hoffentlich geht der Link noch)

(The New York Times, 14.06.2026): https://www.nytimes.com/2026/06/14/us/ai-deepfake-hany-farid.html?unlocked_article_code=1.qFA.2rcX.C8NMyD7zOj9J&smid=nytcore-ios-share

 

Bild Zeitung und Springer ohne Grenze?

Ob die Bild Zeitung sich mit ihrer Berichterstattung zur Obduktion von Wal Timmy ebenfalls an einer Grenze sieht, wissen wir nicht. Mittlerweile sind die KI-generierten und auch so gekennzeichneten fotorealistischen Bilder von einer fiktiven Obduktion wieder von der Seite genommen worden, aber hier wurde der Fantasie der KI freien Lauf gelassen. So bekam der Wal eine riesige Maulsperre verpasst und man konnte die Forensiker*innen im Inneren des Wals sehen. Beides hat nicht mal ansatzweise etwas mit der Wirklichkeit zu tun. Im Web Archiv ist er aber noch zu finden. Zwischenzeitlich hat ja auch der Springer Vorstandsvorsitzende Matthias Döpfner mitgeteilt, dass er es völlig in Ordnung finde, wenn Texte von Politiker*innen und Journalist*innen mit KI generiert werden. Konsequenterweise war eben dieser Kommentar auch mit KI generiert. »Dieser Text wurde zu hundert Prozent mit KI, genauer von Gemini (Google) generiert. Die Erzeugung dauerte ungefähr eine Sekunde. Der Prompt lautete: «Schreibe einen Kommentar der den folgenden Text fulminant entkräftet.«« … so steht es jetzt unter dem Kommentar.

(Web Archiv / Bild online, 04.06.2026) https://web.archive.org/web/20260604094709/https://www.bild.de/news/ausland/timmy-obduktion-am-strand-einer-muss-es-ja-machen-6a2116ca94f1f8fbf8638f53 

(Die Welt, 17.06.2026): https://www.welt.de/debatte/article6a2aad4c6bb5c7fe2e1c1e2a/ki-debatte-um-mario-voigt-die-maschinen-stuermer-von-der-faz-willkommen-im-jahr-2026.html

Dann gibt es auch noch die Geschichte mit dem früheren Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff, der Meinungstexte von einer KI hatte schreiben lassen. Ich will das hier nicht alles ausbreiten und verlinken. Aber um allgemeiner Depression vorzubeugen, noch eine positive Nachricht:

Spiegel Chefredakteur Dirk Kurbjuweit hat eine klare Grenze gezogen. Der Spiegel wird keine KI für das Verfassen von Texten einsetzen. »Der Spiegel soll ein Fest von Menschen für Menschen bleiben.« Dem vorangegangen ist aber wohl eine längere Diskussion.

(Kress, 26.06.2026): https://kress.de/news/beitrag/154071-ein-fest-von-menschen-fuer-menschen-quot-spiegel-chef-kurbjuweit-verbannt-ki-aus-dem-schreiben.html

Ansel Adams eingefärbt

Graham Lovelace beschäftigt sich mit einem Fall, der in der Fotografieszene erhebliche Empörung ausgelöst hat: Eine KI-generierte Farbversion von Ansel Adams’ berühmter Fotografie »Moonrise, Hernandez, New Mexico« wurde auf einer renommierten Kunstmesse in New York ausgestellt und offenbar für rund 10.000 US-Dollar angeboten.  

Der Auslöser der Kritik war die New Yorker Danziger Gallery. Sie nutzte einen Prompt wie »Make a realistic colour version of Ansel Adams’ iconic Moonrise Over Hernandez«, um eine KI-Version des ikonischen Schwarzweißbildes zu erzeugen. Obwohl das Original inzwischen gemeinfrei ist, protestierte der Ansel Adams Publishing Rights Trust scharf gegen die Nutzung. Der Trust argumentiert, dass hier ohne Zustimmung mit Adams’ Name, Ruf und künstlerischem Erbe kommerziell gearbeitet werde.  

Besonders bemerkenswert sind die Reaktionen prominenter Fotograf*innen und Branchenvertreter*innen:

Der ehemalige offizielle Fotograf des Weißen Hauses, Pete Souza, spricht von einem gefährlichen Präzedenzfall. Wenn dies akzeptiert werde, könne künftig jede berühmte Fotografie per KI »verletzt« und für kommerzielle Zwecke ausgeschlachtet werden.  

Tierfotograf Tim Flach sieht darin eine Verschmutzung des visuellen Kulturerbes und eine Gefährdung der Glaubwürdigkeit fotografischer Dokumente.  

Die Chefin der britischen Fotografenvereinigung AOP, Isabelle Doran, bezeichnet das Vorgehen als „schockierend“ und als bloße Profitausnutzung des Lebenswerks eines bedeutenden Fotografen.  

Der Galerist James Danziger verteidigt sich dagegen mit dem Argument, das Bild befinde sich in der Public Domain und die KI-Fassung sei eine »transformative« Neuschöpfung. Zudem habe die Bearbeitung umfangreiche menschliche Nacharbeit erfordert. Er entschuldigte sich lediglich dafür, den Ansel-Adams-Trust nicht vorab informiert zu haben.  

Es bleibt aber eine grundsätzlichen Frage: Darf man das Werk eines verstorbenen Fotografen, dessen Bilder zwar gemeinfrei sind, mittels KI imitieren, verändern und anschließend als Kunstobjekt vermarkten? Lovelace positioniert sich klar dagegen und stellt die Frage, ob es sich hier um eine echte Transformation handelt oder lediglich um eine KI-gestützte Ableitung eines berühmten Originals.  

Für uns Fotograf*innen ist diese Frage interessant, weil sie über das Urheberrecht hinausgeht: den Schutz von Reputation, Werkidentität und moralischen Rechten (»moral rights«) nach Ablauf des eigentlichen Copyrights oder eben auch nach einer Lizenzierung durch eine kollektive Lizenz, der einzelne nur schwer oder gar nicht widersprechen können.

(Graham Lovelace, 29.05.2026): https://grahamlovelace.substack.com/p/outrage-as-legendary-photographers

 

Markt und Politik

Funke-Verlegerin: Plattformen und KI brandgefährlich für Demokratie

Funke-Verlegerin Julia Becker hat auf dem Kongress des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) die großen Plattform- und KI-Unternehmen kritisiert: Suchmaschinen, soziale Netzwerke und KI-Systeme profitieren zunehmend von journalistischen Inhalten, ohne die Produzent*innen der Inhalte angemessen zu beteiligen.

Besonders kritisch sieht Becker die Entwicklung generativer KI. Diese nutze Inhalte von Verlagen, Fotograf*innen und anderen Kreativen als Grundlage für eigene Angebote und gefährde damit die wirtschaftliche Basis unabhängiger Medien. Wenn Qualitätsjournalismus und professionelle Inhalte nicht mehr finanziert werden könnten, sei dies »brandgefährlich für die Demokratie«.

(Kress, 26. Mai 2026): https://kress.de/news/beitrag/152901-brandgefaehrlich-fuer-die-demokratie-quot-funke-verlegerin-becker-rechnet-mit-plattform-und-ki-konzernen-ab.html

 

Digitalminister: KI macht Vertrauen zur knappsten Ressource

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger skizziert beim Deutschen PR-Tag vier Verschiebungen, die die Kommunikationsbranche verändern werden. 

Seine Kernthese: In einer Welt voller KI-generierter Inhalte wird Vertrauen zur knappsten Ressource – und die menschliche Stimme wertvoller, nicht überflüssiger.

Die vier Verschiebungen:

Erstens: Vertrauen wird zur technischen Infrastruktur. 

Zweitens: Die Rolle der PR verschiebt sich von Verpackung zu Architektur.

Drittens: Die menschliche Stimme werde wertvoller, nicht überflüssiger.

Viertens: Souveränität als Voraussetzung für Demokratie.

https://kress.de/news/beitrag/152917-digitalminister-wildberger-beim-pr-tag-ki-macht-vertrauen-zur-knappsten-ressource.html

 

Keine Pixel verkaufen, sondern den Nachweis von Authentizität

Was Wildberger sagt ist interessant, weil er eine ähnliche Idee entwickelt, wie Paul Melcher. 

Seine Grundthese lautet: Im Zeitalter generativer KI wird der wirtschaftliche Wert von Fotos zunehmend nicht mehr darin liegen, dass jemand ein Bild ansehen oder abdrucken möchte. Stattdessen wird der Wert darin liegen, nachweisen zu können, dass ein Bild ein echtes Ereignis dokumentiert und von einer realen Person zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgenommen wurde.  

Für klassische Fotoagenturen sieht der Autor deshalb eine neue Geschäftsmöglichkeit: Sie könnten nicht nur Bilder verkaufen, sondern als vertrauenswürdige Instanzen die Echtheit von Bildern bestätigen.  

Technisch baut die Idee auf mehreren bereits existierenden Standards wie C2PA (Content Credentials), ISCC (International Standard Content Code) und ähnliches auf. 

Der Ablauf könnte vereinfacht so aussehen:

1. Fotograf*in wird verifiziert - Die Agentur prüft die Identität des Fotografen/ derFotografin ähnlich wie Banken oder Zertifizierungsstellen heute Identitäten prüfen.

2. Bild wird über einen kontrollierten Workflow eingespielt - Das Originalbild wird direkt von Kamera oder Mobilgerät übernommen. Bereits hier werden Metadaten, Zeitpunkt, Ort und Urheber*in erfasst.

3. Kryptographische Signatur - Die Agentur versieht das Bild mit einer digitalen Signatur. Dadurch lässt sich später feststellen, ob die Datei verändert wurde.

4. Registrierung - Das Bild erhält einen eindeutigen Identifikator (etwa über ISCC) und wird in einem Register verzeichnet.

5. Abfrage durch Dritte - Später könnte ein KI-Assistent, eine Redaktion, ein Fact-Checking-System oder ein Content-Management-System automatisch fragen:

»Ist dieses Bild authentisch?«

»Wer hat es aufgenommen?«

»Gibt es eine nachweisbare Herkunftskette?«

Die Agentur würde dann nicht das Bild liefern, sondern die Antwort. Wenn das Bild dann als authentisch erkannt wird, könnte es entsprechend gekennzeichnet werden.

Melcher denkt dabei deutlich weiter als die heute üblichen Content Credentials. Der Autor stellt sich ein föderiertes Netzwerk von Agenturen vor. Reuters, Getty, DPA, Imago, AFP und andere würden kompatible Register betreiben. Ein KI-System könnte dann automatisch in diesem Netzwerk nachfragen, ob ein Bild verifiziert wurde.  

Der Autor bezeichnet dies als die erste plausible Möglichkeit seit Jahren, dass »der Zeuge dafür bezahlt wird, Zeuge zu sein«. 

(Kaptur.co, 21.05.2026): https://kaptur.co/what-photo-agencies-could-sell/

 

Getty verkauft an Prozessgegner OpenAI

Getty Images gehörte zu den ersten, die gegen die Verwendung Ihrer Fotografien als KI-Trainingsmaterial durch Stability AI klagte. Das Verfahren läuft noch, aber Getty hat seine Strategie wohl überdacht und jetzt einen mehrjährigen Lizenzvertrag mit OpenAI abgeschlossen. Dabei wurde aber kein Training lizenziert, sondern nur die Anzeige in »Suche und Entdeckung« von ChatGPT. Viel wird dafür wohl nicht bezahlt worden sein, trotzdem wurde die Getty-Aktie um 200% nach oben katapultiert. Das Wirtschaftsmagazin Business Punk sieht das als »Eiertanz zwischen Anpassung und Abwehr. Der OpenAI-Deal rettet die Aktie vor der Auslistung, aber nicht das Geschäftsmodell vor der Disruption.«

(Business Punk, 23.06.2026): https://www.business-punk.com/tech/getty-verklagt-ki-firmen-und-verkauft-jetzt-selbst-an-openai/

Publicis Film über falsche KI-Versprechen

Einer der größten Werbekonzerne der Welt kritisiert den KI-Hype der eigenen Branche. Mit dem satirischen Kurzfilm »The Wrong Promises« prangert Publicis unrealistische Versprechen an, mit denen Agenturen derzeit um Kund*innen werben – von garantierten Effizienzsteigerungen durch KI bis hin zu absurden Erfolgszusagen. Konzernchef Arthur Sadoun warnt, überzogene KI-Versprechen und ruinöse Preisangebote schadeten der gesamten Branche und trügen zu Stellenabbau bei. Statt KI als Selbstzweck zu verkaufen, sollten Agenturen wieder messbare Geschäftsergebnisse und kreative Leistung in den Mittelpunkt stellen.  

Publicis hat wohl erkannt: Wenn Agenturen Werbung mit KI machen, dann können ihre Kund*innen auch Werbung mit KI machen.

(Storyboard18, 18.06.2026): https://www.storyboard18.com/advertising/publicis-the-wrong-promises-film-calls-out-ai-hype-and-unrealistic-pitches-in-advertising-industry-101482.html

 

Auch das noch

Zurück in die Vergangenheit - KI-generiert

KI generierte Bilder, die Szenen aus Konzentrationslagern zeigen sollen, hatten wir ja leider schon. Jetzt berichtet DOCMA über einen Ansatz, der scheinbar seriöser ist.

Influencerin Chloe berichtet Live aus der Vergangenheit, aus einer KI-generierten Vergangenheit freilich. Vielleicht ist das eine gute Möglichkeit, Menschen, egal ob jung oder alt, Geschichte näher zu bringen. 

Die Frage lautet aber: Wer stellt sicher, dass die Darstellungen wirklich korrekt sind und dass sich keine Fehler oder Halluzinationen einschleichen?

Und was passiert, wenn jemand so einen Ansatz wählt, um sein Publikum zu täuschen und zu manipulieren? 

(DOCMA, 23.05.2026): https://www.docma.info/blog/zeitreisen-im-selfie-format-wie-chloe-vs-history-die-vergangenheit-neu-inszeniert-und-was-das-uber-uns-verrat

 

Für Rückfragen zum KI Newsletter: marco.urban@freelens.com | Marco Urban

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