Propagandamaschine: Das KI-Kampagnentool der AfD
Das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie (Markus Beckedahl) hat sich als »AfD-Kreisverband Bochum« getarnt und das KI-Kampagnentool der AfD ausprobiert.
Ergebnis: Die Software wird den Social-Media-Betrieb der Parteigliederungen weitgehend automatisieren. Dafür bindet sie die üblichen KI-Dienste ChatGPT, Claude und Gemini ein und ein »Geistschreiber« nimmt den Kreisverbänden und Parteifunktionär*innen die Textarbeit ab, ohne dass das nach außen deutlich wird. In dem Modul laufen im Viertelstundentakt die Nachrichten-Feeds von NIUS, Junge Freiheit, Apollo News, BILD Politik und n-tv-Wirtschaft ein. Eine KI liest mit und vergibt für jede Meldung einen »Viralitätsscore« von eins bis zehn, dazu eine Kurzzusammenfassung und mitunter gleich ein passendes Framing im Sinne der AfD-Programmatik.
Das ist also eine vollautomatische Propaganda- und Desinformationsmaschine, die keinen Menschen mehr braucht, der sich über Inhalte Gedanken macht oder technische Kenntnisse hat.
Die Kanäle werden in Zukunft also noch mehr mit rechts-außen Desinformation als bisher geflutet.
Das Zentrum für Digitalrechte und Demokratie beschreibt z.B. die Erstellung von »Sharepics«, das sind die Kacheln mit Bild und kurzem Text: »Die angeschlossene KI generiert ein Bild, in unseren Versuchen stets in derselben düsteren AfD-Ästhetik. Friedrich Merz in Handschellen oder Alice Weidel mit grimmigem Blick. Eine kurze Schlagzeile kommt in den passenden AfD-Schriftarten dazu, der Absender - etwa der Kreisverband Bochum - wird automatisiert mit Logo eingebaut. Klein und kaum lesbar findet sich oben rechts der »Transparenz«-Hinweis, dass das Bild KI-generiert sei.«
Hier werden wir wohl die Grenzen der Transparenzregelungen des AI Act vorgeführt bekommen. Denn ob das nun gekennzeichnet ist oder nicht, spielt für die äußerst geneigten Leser*innen wohl keine Rolle. Und auch bei den weniger geneigten bleiben Bilder und Botschaften haften – so funktioniert halt Werbung.
Die Plattform könnte aber »als Hochrisiko-KI gelten und damit engmaschigen Vorgaben unterliegen. Denn sie fällt in die Kategorie der KI-Systeme, die laut der KI-Verordnung »bestimmungsgemäß verwendet werden sollen, um (...) das Wahlverhalten natürlicher Personen (...) zu beeinflussen«. Die Details der Auslegung sind aber noch offen – und die Regeln für Hochrisiko-KI gelten erst ab Ende 2027.«
Das Tool wurde sehr ausgiebig getestet, es lohnt sich, den Text zu lesen:
(Zentrum für Digitalrechte und Demokratie, 02.07.2026): https://digitalrechte.de/news/propaganda-by-design-wir-haben-uns-das-ki-kampagnentool-der-afd-naeher-angeschaut |