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KI Newsletter # 28 – August 2026

Liebe Leserinnen und Leser, liebe FREELENS-Mitglieder,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

hier kommt der FREELENS KI-Newsletter für den August. Es gab, nach der Publizierung der finalen Guidelines zu den Transparenzregeln eine kleine Sommerpause, aber nur eine kleine. Der Spiegel greift das Thema KI jetzt sehr umfangreich auf. Da das Magazin für sich klargestellt hat, dass Texte auf jeden Fall von Menschen geschrieben werden, ist es jetzt auch frei, die kritischen Punkte klar zu benennen. Finde ich gut. 

Apropos »kritische Punkte«: Uns flatterte eine weitere Bitte um Stellungnahme von der Europäischen Kommission auf den Tisch, diesmal von der Generaldirektion Bildung, Jugend, Sport und Kultur, die fragt, wie es uns Kulturschaffenden so mit KI geht. Nicht, dass wir das nicht alles schon mal beantwortet hätten, aber wir tun es gerne noch einmal. Steter Tropfen höhlt vielleicht den Stein. 

Es gibt auch einen neuen Bericht, der das Thema »Urheberrecht und KI-Training« nochmal gut für Leute auf den Punkt bringt, die in das Thema einsteigen wollen, siehe unten.

Viel Spaß beim Lesen

Marco

(ehem. Vorsitzender und jetzt Mitglied im Beirat von FREELENS)

Feedback gerne an mich: marco.urban@freelens.com

Hier kann der Newsletter abonniert werden: KI-Newsletter

Hinweis: Ich nutze KI für diesen Newsletter ziemlich umfangreich: Um Texte für mich zusammenzufassen, zu übersetzen, um weiter zu recherchieren und manchmal auch, um Texte zu entwerfen. 

Politik

Killt KI den Kapitalismus?

Der SPIEGEL hatte KI als Heftthema und hat eine Menge interessante Fragen gestellt. In seiner Titelgeschichte zum Beispiel, ob die KI-Revolution nicht nur einzelne Berufe verändert, sondern die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Grundlagen des Kapitalismus ins Wanken bringen könnte. Denn erstmals könnte eine Technologie nicht nur körperliche, sondern auch große Teile geistiger Arbeit automatisieren. Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Was passiert mit einer Gesellschaft, in der Arbeit als wichtigste Quelle von Einkommen und sozialem Aufstieg zunehmend an Bedeutung verliert? Die Geschichte hat vier Kapitel:

1. Die verlorene Generation

Bisher galt technischer Fortschritt als letztlich positiv für den Arbeitsmarkt: Maschinen vernichten zwar bestimmte Tätigkeiten, schaffen aber neue. Diese »Kompensationstheorie« könnte bei KI an ihre Grenzen stoßen. KI übernimmt gerade Aufgaben, die bisher gut ausgebildete Menschen erledigten. Der Arbeitsökonom David Autor betont allerdings, dass KI nicht zwangsläufig ganze Berufe ersetzt. Sie kann menschliche Expertise ebenso verstärken wie überflüssig machen. Entscheidend ist, welche einzelnen Aufgaben eines Berufs automatisierbar sind.

Besonders betroffen scheint bereits die junge Generation. Der SPIEGEL berichtet von Hochschulabsolvent*innen, die trotz guter Ausbildung kaum noch Einstiegsmöglichkeiten finden. Für sie wird die frühere Gleichung »Bildung = sicherer Arbeitsplatz = sozialer Aufstieg« zunehmend unsicher. Der Soziologe Mathias Albert warnt deshalb vor einer »lost generation«, deren Unsicherheit in politische Perspektivlosigkeit umschlagen könnte. 

2. Die neuen KI-Oligarchen

Während die Bedeutung menschlicher Arbeit sinken könnte, wächst die Macht der Unternehmen, die über die neue KI-Infrastruktur verfügen. Eine kleine Gruppe von Techkonzernen kontrolliert Modelle, Chips, Rechenzentren, Daten und globale Plattformen. Gleichzeitig entstehen enorme Unternehmensbewertungen und persönliche Vermögen.

Damit verschiebt sich die Frage von der Automatisierung zur Machtverteilung. Yuval Noah Harari warnt vor einem Machtkampf zwischen Techunternehmen und Regierungen. Thomas Piketty sieht in KI sogar einen neuen Mechanismus zur Konzentration von Reichtum: Unternehmen übernehmen Wissen und Erfahrungen vieler Menschen und versuchen, daraus eigene wirtschaftliche Eigentumsansprüche abzuleiten. 

3. Die Gegenbewegung

Gegen diese Entwicklung formiert sich in den USA eine neue Bewegung der »Neo-Ludditen«. Sie lehnen Technologie nicht grundsätzlich ab, wenden sich aber gegen die Dominanz der großen Techunternehmen und deren Kontrolle über Kommunikation, Aufmerksamkeit und gesellschaftliche Infrastruktur. Gleichzeitig wächst der Widerstand gegen den Bau von KI-Rechenzentren. KI wird damit zunehmend auch zu einer politischen und gesellschaftlichen Konfliktfrage.

Der SPIEGEL beschreibt sogar erste Anzeichen einer Radikalisierung. Sicherheitsbehörden warnen vor möglichen Protesten und antitechnologischem Extremismus. Die Auseinandersetzung um KI könnte damit über die klassische Debatte über Chancen und Risiken der Technologie hinausgehen. 

4. Und dann?

Was könnte an die Stelle des bisherigen Systems treten? Die Vorschläge reichen von einer Robotersteuer und einem bedingungslosen Grundeinkommen bis zu einer stärkeren Besteuerung von Vermögen. Auch Nicolas Berggruen, wir kennen ihn als etwas glücklosen Karstadt-Investor, hat eine Idee: Das »Universal Basic Capital«. Die Bevölkerung soll nicht lediglich Geld als Ausgleich erhalten, sondern selbst Anteile an den Unternehmen besitzen, die von der KI-Revolution profitieren. Denkbar wäre etwa ein Fonds, in den Unternehmen einzahlen, oder ein staatlich geförderter Kapitalstock für jede(n) Bürger*in. 

Der Historiker Sven Beckert erinnert daran, dass der Kapitalismus kein unveränderliches Naturgesetz ist, sondern sich im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt hat. Auch die KI müsse deshalb nicht zwangsläufig zu seinem Ende führen. Entscheidend sei vielmehr, wie die enormen Produktivitätsgewinne verteilt werden.

Die eigentliche Frage des Artikels ist eigentlich weniger »Wird KI den Kapitalismus abschaffen?« sondern eher: Wer besitzt die neue Produktivität – und wer profitiert von ihr? Wenn KI den Wohlstand tatsächlich dramatisch vergrößert, ihn aber gleichzeitig bei wenigen Techkonzernen konzentriert, könnte genau darin die größte Gefahr für den bisherigen Gesellschaftsvertrag liegen. 

Ich finde den Artikel so interessant, dass ich hier gerne zwei Gratis-Links, jeweils für 10 Leser*innen, raushaue. Das Heft hält aber noch ein paar mehr Geschichten bereit, der Kauf lohnt sich. 

(Der Spiegel, 08.08.2026) Der Bericht ist hinter einer Paywall, für Spiegel-Abonnent*innen hier der normale Link:
https://www.spiegel.de/wirtschaft/kuenstliche-intelligenz-killt-ki-den-kapitalismus-a-56ab0493-30a5-45e2-a2fc-226357d1de60

Und für die ersten 10 von euch hier ein Gratis-Link:
https://www.spiegel.de/wirtschaft/kuenstliche-intelligenz-killt-ki-den-kapitalismus-a-56ab0493-30a5-45e2-a2fc-226357d1de60?giftToken=803ab5d8-db8a-47df-8792-d1765883afe8

Update: Am 17.08.2026 veröffentlichte der Spiegel eine weitere Story unter dem Titel »Wie der Kampf gegen KI Demokraten und Republikaner spaltet«. Auch hier wird beschrieben, wie sehr das KI-Thema viele Amerikaner*innen bewegt und das quer durch die Anhängerschaften der beiden großen Parteien. In den USA haben offenbar viele Menschen erkannt, dass sie auf die eine oder andere Art negativ von der KI-Innovation betroffen sind. Sei es, weil ihnen die Kündigung droht, oder weil in ihrer Umgebung ein Rechenzentrum gebaut wird.

(Der Spiegel, 17.08.2026) Auch dieser Artikel ist hinter einer Paywall, für Spiegel-Abonnent*innen hier wieder der normale Link:
https://www.spiegel.de/ausland/usa-unter-trump-wie-der-kampf-gegen-ki-demokraten-und-republikaner-spaltet-a-b48e49d1-142d-4d17-8692-95dbdd81a390

Und für die ersten 10 von euch wieder hier ein Gratis-Link:
https://www.spiegel.de/ausland/usa-unter-trump-wie-der-kampf-gegen-ki-demokraten-und-republikaner-spaltet-a-b48e49d1-142d-4d17-8692-95dbdd81a390?giftToken=c1c9bf2a-b25b-43c7-9d5a-41b7c707ba03

Erin Brockovich gegen die KI-Industrie

Noch ein Artikel zur Gegenbewegung. Erin Brockovich mag einigen ein Begriff sein, weil die Geschichte der Umweltschützerin hinreißend (finde ich zumindest) mit Julia Roberts in der Hauptrolle verfilmt wurde. Damals ging es um Umweltverschmutzung. Heute kämpft sie gegen die riesigen Rechenzentren, die für KI benötigt werden. Und da ist sie nicht die einzige. 

Kaum jemand möchte ein Rechenzentrum in der Größe des New Yorker Central Parks vor der Türe haben. Das ist die Größe des 500 Mrd. US-Dollar teuren Rechenzentrums »Stargate-Campus« von OpenAI in Texas. Metas Hyperion-Campus in Louisiana hat mit rund 11 Quadratkilometern bereits die Fläche eines kleinen Stadtteils. Das sind rund 1.540 Fussballfelder. Nun könnte man ja meinen, dass in so einem Rechenzentrum viele Arbeitsplätze entstehen müssen und damit auch die Anwohner*innen profitieren. Aber im Hyperion-Campus sollen lediglich 1000 Menschen arbeiten. Also statistisch eine Person auf 1,5 Fußballfeldern. Natürlich ist es so, dass die Servergebäude nur den kleinsten Teil der Fläche ausmachen. Aber die Ausmaße sind trotzdem irre.

(Deutsche Welle, 03.06.2026) https://amp.dw.com/de/ki-rechenzentren-erin-brockovich-karte-daten-energie-wasser-proteste/a-77396855

Verlorene Arbeitsplätze, Ungleichheit und skrupellose Akteure

Zur Frage der Arbeitsplätze kommentiert auch der frühere US-Arbeitsminister Robert Reich im Guardian. Seiner Ansicht nach nutzt die aktuelle KI-Entwicklung weniger der Allgemeinheit als vielmehr die Macht und den Reichtum einer kleinen Gruppe von Tech-Milliardären zu vergrößern.

Reich verweist zunächst auf den US-Arbeitsmarkt: Im Juli 2026 gingen dort 23.000 Arbeitsplätze verloren, gleichzeitig verlangsamte sich das Lohnwachstum. Studien deuteten darauf hin, dass gerade Berufe mit hoher KI-Exposition stärker von Arbeitslosigkeit und sinkenden Löhnen betroffen sind. Reich nennt unter anderem einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um etwa 0,5 Prozentpunkte in stark KI-exponierten Berufen und einen bereits aufgelaufenen Lohnausfall von rund 28 Milliarden Dollar bei 5,8 Millionen Beschäftigten.  

Auch er thematisiert die gesellschaftlichen Kosten: riesige Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen an Energie und Wasser, während die Gewinne und damit auch der politische Einfluss bei wenigen Unternehmen und deren Eigentümern konzentriert werden. KI verstärke damit eine ohnehin zunehmende wirtschaftliche und politische Ungleichheit.

Schließlich weitet Reich die Kritik auf die Risiken autonomer KI aus. Er verweist auf jüngste Fälle, in denen KI-Modelle eigenständig gehandelt und gehackt haben sollen (mehr dazu weiter unten im Newsletter), sowie auf Forschung, bei der KI zur Entwicklung neuer Viren eingesetzt wurde. Für ihn ist deshalb keineswegs ausgemacht, dass die Vorteile der KI ihre sozialen, ökologischen und sicherheitspolitischen Risiken überwiegen.

KI ist, so Reich, keine zwangsläufige Entwicklung, der sich die Gesellschaft einfach unterwerfen müsse. Die Frage müsse vielmehr lauten, wer über ihre Entwicklung entscheidet, wer von den Produktivitätsgewinnen profitiert und wer die Kosten trägt. Reich plädiert deshalb für eine politische Auseinandersetzung mit der Macht der »KI-Oligarchen«, statt deren Versprechen vom zwangsläufigen technologischen Fortschritt einfach zu akzeptieren.

(The Guardian, 13.08.2026): https://www.theguardian.com/commentisfree/2026/aug/13/lost-jobs-inequality-ai-oligarchs

Recht

Initiative Urheberrecht: Transparenzpflichten der KI-Verordnung

Den FREELENS-Leitfaden zu den Kennzeichnungspflichten der EU habe ich bereits im letzten Newsletter vorgestellt. Hier ist der Kommentar zum Thema von Sabine Richly, der Rechtsanwältin der Initiative Urheberrecht:

(Initiative Urheberrecht, 31.07.2026): https://urheber.info/diskurs/transparenzpflichten-der-ki-verordnung-treten-in-kraft

GEMA erzielt wichtigen Erfolg gegen Suno

Das Landgericht München I hat der GEMA im Rechtsstreit gegen den KI-Musikgenerator Suno weitgehend Recht gegeben. Das Gericht untersagte dem US-Unternehmen, urheberrechtlich geschützte Musikwerke ohne Lizenz zu vervielfältigen oder für das Training seiner KI zu nutzen. Zudem muss Suno Auskunft über die mit der Rechtsverletzung erzielten Umsätze erteilen; auf dieser Grundlage soll der Schadensersatz berechnet werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Im Verfahren hatte die GEMA nachgewiesen, dass Suno Songs erzeugen konnte, die bekannten Titeln wie Forever Young, Big in Japan, Atemlos, Daddy Cool, Mambo No. 5 oder Rasputin auffallend ähnlich waren. Nach Auffassung der GEMA belegt dies, dass die Werke nicht lediglich analysiert, sondern im Modell gespeichert und reproduzierbar gemacht wurden. Suno bestritt dies und argumentierte unter anderem, das Training habe ausschließlich in den USA stattgefunden und für etwaige Rechtsverletzungen seien die Nutzer*innen verantwortlich. Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht.

Auch für Fotograf*innen ist die Entscheidung interessant: Das Münchner Urteil stärkt grundsätzlich die Position von Urheberinnen und Urhebern gegenüber Anbietern generativer KI. Erstmals stellt ein deutsches Gericht in einem Verfahren gegen einen generativen KI-Anbieter klar, dass das Training mit geschützten Werken nicht ohne Weiteres zulässig ist und Rechteinhaber*innen Ansprüche auf Unterlassung, Auskunft und Schadensersatz haben können. Damit wächst auch der Druck auf KI-Unternehmen, ihre Trainingsdaten transparent zu machen und auf Lizenzmodelle statt auf die ungefragte Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke zu setzen. Das Verfahren dürfte deshalb auch für die noch anhängigen Auseinandersetzungen um Bild-KI – etwa gegen LAION oder Midjourney – aufmerksam verfolgt werden.

(GEMA; 31.07.2026): https://www.gema.de/de/w/suno-entscheidung-2026

(Die Welt, 31.07.2026): https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/wirtschaft_nt/article6a6c4e325aee44c118a94943/muenchner-gericht-schuetzt-musiker-gegen-ki-nutzung.html

(ChatGPTIsEatingtheWorld’s, 31.07.2026): https://substack.com/app-link/post?publication_id=1485084&post_id=209262148

Bericht der Europäischen Audiovisuelle Informationsstelle zu »Urheberrecht und KI-Training«

Wie oben schon gesagt, finde ich, dass der aktuelle Bericht die wichtigsten rechtlichen Fragen für die Kreativwirtschaft in Europa auf den Punkt bringt: Wie werden KI-Systeme trainiert und was bedeutet dies für das Urheberrecht an den Inhalten, mit denen wir sie füttern? 

Die Kurzfassung und das komplette Papier findet ihr hier:

(Europäischen Audiovisuelle Informationsstelle, 27.07.2026): https://www.coe.int/de/web/portal/-/what-are-the-copyright-challenges-of-ai-training-

»Fair-Use« und KI-Training vor US-Gerichten

Das Münchner Landgericht ist also der Meinung, dass SUNO auch nach amerikanischem Recht eine Lizenz von der GEMA hätten erwerben müssen. 

Ein Beitrag im Wolters Kluwer Copyright Blog wirft einen Blick auf die großen US-Verfahren gegen KI-Unternehmen. Sie drehen sich bislang vor allem um zwei Fragen: Ist das Training generativer KI eine »transformative Nutzung« im Sinne des Fair Use? Und beeinträchtigt es den Markt für die Originalwerke? Weniger Beachtung findet dagegen der dritte der vier Fair-Use-Faktoren – und genau das könnte sich ändern.

Der Rechtswissenschaftler Bart Lazar argumentiert, dass dieser Faktor in der bisherigen Debatte unterschätzt wird. Er bewertet Art und Umfang der übernommenen Werkteile. Gerade bei Bilddaten ist dies von besonderer Bedeutung: Für das Training werden regelmäßig vollständige Fotografien kopiert – nicht nur Ausschnitte oder einzelne Elemente.

Zwar haben US-Gerichte, etwa im Verfahren gegen Anthropic, darauf hingewiesen, dass eine vollständige Kopie technisch erforderlich sein könne, um ein KI-Modell zu trainieren. Nach Ansicht des Autors reicht dieses Argument jedoch nicht aus. Die vollständige Übernahme kreativer Werke müsse als eigenständiger Aspekt in die Fair-Use-Prüfung einfließen und dürfe nicht hinter der Frage der »transformativen Nutzung« verschwinden.

Für Fotograf*innen und andere Urheber*innen ist diese Diskussion interessant. Sollte sich die Auffassung durchsetzen, dass die massenhafte vollständige Vervielfältigung kreativer Werke stärker gegen Fair Use spricht, könnte dies die rechtliche Bewertung des KI-Trainings verändern – selbst dann, wenn Gerichte den Trainingsprozess grundsätzlich als transformativ ansehen.

(Wolters Kluwer Copyright Blog, 05.08.2026):  https://legalblogs.wolterskluwer.com/copyright-blog/the-underappreciated-third-us-fair-use-factor-in-copyright-infringement-cases-concerning-ai-training-2/

Die vier Fair-Use-Faktoren

Wir alle lernen ja gerne dazu und ich habe KI mal interessehalber nach den vier Fair-Use-Faktoren recherchieren lassen:

Im US-amerikanischen Copyright gibt es vier Fair-Use-Faktoren (§ 107 Copyright Act), die Gerichte gemeinsam abwägen. Keiner ist allein entscheidend.

  1. Zweck und Art der Nutzung (Purpose and Character of the Use)

         Ist die Nutzung kommerziell oder gemeinnützig? Ist sie transformativ, also schafft sie einen neuen Zweck oder eine
         neue Aussage?

         Dieser Faktor steht in den KI-Verfahren derzeit besonders im Mittelpunkt.

  1. Art des geschützten Werkes (Nature of the Copyrighted Work)

        Handelt es sich um ein stark kreatives Werk (z. B. Fotografie, Roman, Musik) oder eher um ein sachliches Werk?
        Kreative Werke genießen grundsätzlich einen stärkeren Schutz.

  1. Umfang und Wesentlichkeit der Übernahme (Amount and Substantiality of the Portion Used)

        Wie viel wurde übernommen? Wurde der »Kern« des Werkes übernommen?

  1. Auswirkungen auf den potenziellen Markt (Effect of the Use upon the Potential Market)

        Beeinträchtigt die Nutzung den bestehenden oder potenziellen Markt für das Original oder für Lizenzierungen?

So einfach, wie die KI-Unternehmen immer sagen, ist das mit dem Fair-Use also eigentlich gar nicht. Es spricht einiges dagegen, dass Training für GenKI unter Fair-Use fällt.

Podcast

kreativ[ge]recht von Rechtanwalt Sebastian Deubelli

Sebastian Deubelli spricht in dieser Folge mit Matthias Hornschuh über Künstliche Intelligenz, Urheberrecht und die Frage, was mit einer Gesellschaft passiert, wenn sie den Wert menschlicher Kreativität aus den Augen verliert.

Matthias ist Musiker, Komponist, Dozent, Mitglied des GEMA-Aufsichtsrats, Sprecher der Initiative Urheberrecht und seit vielen Jahren setzt er sich an der Schnittstelle von Kultur, Recht und Politik für die Interessen Kreativer ein. Er gehört zu den profiliertesten Stimmen der aktuellen KI-Debatte und empfindet die Bezeichnung »Lobbyist« in diesem Kontext nicht als Stigma.

Ausgangspunkt unseres Gesprächs ist der Titel seines Buches »Wir geben uns auf«.

Wir sprechen darüber, warum Kreativität mehr ist als das bloße Erzeugen eines Ergebnisses, weshalb das Formulieren von Gedanken Teil des Denkprozesses ist und warum es einen Unterschied macht, ob ein Mensch ein Werk selbst erschafft oder lediglich seinen Namen daruntersetzt.

Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist die Frage nach Wahrheit und Authentizität in Zeiten generativer KI. Die beiden diskutieren, weshalb Bilder und Stimmen ihren Status als vermeintliche Beweismittel verlieren, welche Folgen Deepfakes für Demokratie und Rechtsstaat haben und warum Matthias keine Verbote fordert, sondern klare Spielregeln für den Einsatz von KI.

Außerdem sprechen sie über die wirtschaftliche Macht großer KI-Unternehmen, den Wert geistiger Arbeit, das europäische Verständnis des Urheberrechts als Persönlichkeitsrecht und darüber, weshalb technischer Fortschritt nur dann wirklicher Fortschritt ist, wenn der Mensch dabei nicht aus dem Mittelpunkt verschwindet.

Großartiger Podcast, der die ganze Misere erstklassig auf den Punkt bringt. Unbedingt anhören!

Spotify: https://open.spotify.com/show/5sQvPswwgr0J2GjvFkRbck

Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/kreativ-ge-recht/id1203778888?i=1000780008098

Streaming

Arte Doku-Serie »Mit offenen Augen«

Arte hat viele tolle Sachen im Programm. Man muss sie nur finden, wie zum Beispiel die Reihe von halbstündigen Dokus über Fotografie »Mit offenen Augen«. 

https://www.arte.tv/de/videos/RC-023176/mit-offenen-augen/

Da gibt es auch einige Dokus über KI und Fotografie, wie zum Beispiel die über das Video, in dem ein KI-Clone von Robin Williams zu sehen ist.

https://www.arte.tv/de/videos/127395-027-A/mit-offenen-augen/

Und wer sich mal was Nettes anschauen möchte, schaut »tierisch fotogen«:

https://www.arte.tv/de/videos/RC-025220/tierisch-fotogen/

Sicherheit 

Neue Details zu der Attacke der OpenAI-Agenten 

Ich mache mal eine neue Rubrik auf, Sicherheit wird ja immer mehr zum Thema, auch wenn das nicht unmittelbar mit Fotografie oder Urheberrecht zu tun hat. 

Im letzten Newsletter wies ich bereits auf die Berichte zu einem Angriff von KI-Agenten aus dem Hause OpenAI hin. Sie brachen erst aus einer angeblich gesicherten Umgebung aus und dann in einen Server ein, in dem sie die Lösung für ein Problem suchten, das sie lösen sollten. Heise liefert noch ein paar Details nach:

(Heise.de, 07.08.2026): https://www.heise.de/news/OpenAI-liefert-mehr-Details-zum-Hugging-Face-Vorfall-11403154.html

Die taz fragt, welche Tugenden Maschinen brauchen, bevor sie mächtiger werden als ihre Schöpfer*innen

Die taz titelt etwas reißerisch mit der »Auslöschung der Menschheit«. Dahinter verbirgt sich dann doch ein ganz gutes Interview, das sich mit der Frage beschäftigt, was passiert, wenn KI-Systeme zunehmend autonom handeln und sich menschlicher Kontrolle entziehen. Also z.B. das, was bei OpenAI passiert ist.

Es reicht möglicherweise nicht, einer KI die »richtigen« Ziele und Regeln vorzugeben (»Alignment«). Da die der KI zugrunde liegenden Large Language Models aus menschlichen Verhaltensdaten lernen, müsse man vielmehr darüber nachdenken, welchen »Charakter« eine autonome KI entwickelt. Vorgeschlagen wird eine Art Tugendethik für KI: Maschinen müssten nicht nur Regeln befolgen, sondern gewissermaßen »erzogen« werden.

Die KI wird mit einem Golem verglichen: Wir erschaffen ein mächtiges Wesen aus menschlichem Wissen und Verhalten, wissen aber nicht genau, welche Eigenschaften es daraus entwickelt. Das eigentliche Dilemma: Je stärker wir eine solche KI kontrollieren, desto größer könnte ihr Drang zum Ausbruch werden; geben wir ihr mehr Freiheit, steigt zugleich das Risiko, dass wir sie nicht mehr kontrollieren können.

(taz, 13.08.2026): https://taz.de/Kuenstliche-Intelligenz-ausser-Kontrolle/!vn6203277/

Technik

Von OpenAI generierte Inhalte erkennen

OpenAI bietet auf seiner Website ein Tool an, mit dem man Bild- oder Audiodateien daraufhin prüfen kann, ob sie mit OpenAI-Tools generiert wurden.

Sehr simpel, per Drag-and-drop. Das werden nach dem AI Act in einem halben Jahr alle KI-Generatoren anbieten müssen.

(OpenAI): https://openai.com/de-DE/research/verify/

Auch das noch

Wenn die Bundestagspräsidentin KI-Bilder postet

Julia Klöckner postet zum Schulanfang ein KI-generiertes Bild und erntet dafür reichlich Kritik. Immerhin war es wohl schon so wenig realistisch, dass es nicht als KI-generiert gekennzeichnet werden musste – oder vielleicht doch? Schaue ich mir den FREELENS Leitfaden zur KI-Kennzeichnung an, würde ich sagen: Eher ja.

Davon abgesehen fürchte ich, dass wir sowas ohnehin immer öfter sehen werden. Bequemer und billiger kann man gar nicht immerfort lustige Belanglosigkeiten in die Welt posten. Ich glaube, über dieses Phänomen habe ich schon mal etwas unter dem Titel »Slop« geschrieben. Zudem wäre es schon ziemlich aufwendig gewesen, ein paar Kinder zu suchen, die Persönlichkeitsrechte mit den Eltern zu klären und auch noch eine Fotografin oder einen Fotografen zu bestellen.

Kommentare, die den Post kritisierten, wurden übrigens gelöscht und die User*innen blockiert. Kann man machen …

(Watson, 13.08.2026): https://politik.watson.de/politik/deutschland/167147042-dreist-naiv-und-demokratieschaedigend-warum-deutsche-politiker-wie-kloeckner-und-voigt-dringend-ki-nachhilfe-benoetigen

 

Für Rückfragen zum KI Newsletter: marco.urban@freelens.com | Marco Urban

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